Zur aktuellen Qualitätsjournalismus-Debatte könnte man sehr viel schreiben (wie z.B. hier, hier und hier). Von mir nur soviel: Es geht nicht darum, dass das Internet keine Qualität böte (mit diesem oft gehörten Vorwurf tut man vielen Unrecht). Aber es geht darum, dass die geringen Eintrittsbarrieren und die nach unten tendierende Content-Qualität bei stetig steigender Quantität an Botschaften zu einem riesigen Information Overload führt, den kein Mensch oder “User” mehr verarbeiten kann. Dabei könnte die Lösung so einfach sein – ich sage: Gebt mir einen QUALITÄTSFILTER (nein, nicht eine Suchmaschine wie Google, bei der jeder SEO einem für x Euro den 1. Platz beschafft) und ich bin glücklich.

Früher bzw. in Print waren das MARKEN, die für Qualität sorgten. Aber heute? Wer das Problem (semantisch oder sonst wie technisch) des Qualitätsfilters löst, der kann sehr reich werden. Ja, schade, dass sich Ted Nelson damals nicht durchgesetzt hat.

Er hat einen ganz einfachen Qualitätsfilter. Geld. Geld, das über das Millicent-Protokoll an diejenigen, die Qualität und Kreativität bieten können, geflossen wäre. Doch Tim Berners-Lee war schneller und so entstand das Internet in seiner heutigen, suboptimalen Form mit allen seinen inferioren Standards. Mehr zu Ted hier … ein echter Krimi in Sachen “Sackgassen der Evolution”.

Natürlich hilft uns heute nicht mehr weiter. Aber es kann helfen, sich zu überlegen, wie man diese dringend benötigten Qualitätsfilter baut. Sie sollen ja nicht wie SPAM-Filter Botschaften abwehren, sondern das Gute, das Gehaltvolle selektieren und fördern. Vielleicht zwei Seiten einer Medaille.

Wie gesagt: hier gibt es konzeptionell noch viel zu tun. Ich bin gerne dabei. Denn das Problem lohnt sich wirklich zu lösen.


COMMENTS / 2 COMMENTS

Nicht jeder Blog lässt sich mit ein Euro auf Platz 1 bei Google bringen, auch wenn das gern suggeriert wird.
Hier hat Google sogar jetzt selbst einen Riegel vorgeschoben, denn es wird nach echten Inhalten verlangt. Ein “aufgehübschter” Text, der mit bestimmten Worten, die möglichst oft über den Text verteilt werden, Besucher erreichen möchte, fällt ggf. ganz durch.

Dennoch gebe ich Ihnen Recht, die Informationsflut ist immer schwerer zu bewältigen und oft merke ich erst nach einigen Zeilen, dass der gefundene Text nicht die gewünschte Information bringt.

Online-Ausgaben der Zeitungen machen einen ähnlichen Fehler, indem sie häufig von einander abschreiben, nicht mehr recherchieren und mit wenig Sorgfalt ihre Texte ins Netz “hauen”.

Astrid Radtke added these pithy words on Jan 01 13 at 15:34

Der Qualitätsfilter wird dann funktionieren, wenn die künstliche Intelligenz erhebliche Fortschritte gemacht hat. Die wurden ja schon in den 70ern prognostiziert… Vermutlich werden wir also noch etwas warten müssen. Zum Zusammenhang zwischen Qualitätsjournalismus und Honoraren bei Tageszeitungen habe ich Folgendes gebloggt:
https://hottelet.wordpress.com/2013/03/02/journalistische-pferdelasagne/

Ulrich Hottelet added these pithy words on Mar 20 13 at 17:17

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Wie man das Problem des Qualitätsjournalismus schon lange gelöst haben könnte

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