Schon spannend momentan den Schlagabtausch zwischen Google und Murdoch zu verfolgen. Die Medienkrise sorgt für ernsthafte Verstimmungen bei den Verlegern. Verständlich, denn Google macht ohne einen Mann Redaktion Milliardengewinne. Und die Verleger müssen zuschauen, während ihre Auflagen wie Schnee in der Sonne schmilzen und der Werbekuchen verstärkt den Usern ins Web folgt.

Dort bestimmt Google das Bild. Erich Schmidt, CEO von Google, ist ganz optimitisch: Das Netz werde ein neues, digitales Geschäftsmodell fördern. Aber welches? Am Mittwoch hatte Google Nachrichtenlieferanten neue Möglichkeiten vorgestellt, ihre Angebote künftig auch kostenpflichtig bei Google News zu listen – wobei natürlich Google wieder mitverdienen wird. Das Google-Angebot an die User heisst “First Click Free” und bietet Verlagen eine Möglichkeit, ihre Inhalte zu bewerben und Nutzern zugleich die Gelegenheit zu geben, die Nachrichtenquelle zu testen.

Ganz schön clever wie Google die versammelte Verlegerschaft vorführt, sich zwischen Sender und Empfänger schiebt und meisterlich seine Dominanz im Suchmaschinenbereich ausnutzt. Ohne Google würden viele Inhalte nämlich gar nicht gefunden. Doch die gegenseitigen Schuldzuweisungen gehen weiter. Und die Suche nach Auswegen.

Vor rund zehn Tagen war bekannt geworden, dass Murdoch, dem unter anderem auch das “Wall Street Journal” gehört, gegen Google einen Schulterschluss mit Microsoft und dessen neuer Suchmaschine Bing erwägt. Microsoft sollte den Verlegern Geld bezahlen, wenn sie bei Google auslisten und ihre Inhalte nur Bing zur Verfügung stellen.

Doch daraus wird nichts: Microsoft setzt im Kampf gegen Google nach neuesten Berichten nicht auf Exklusivverträge mit Verlagen und Medienhäusern. Dies stellte der Vizepräsident für Online-Dienste, Satya Nadella, auf einer Pressekonferenz in San Francisco klar, wie US-Medien am Donnerstag berichteten.

Also ist Bing auch keine Lösung und Murdoch steht wieder alleine da – ohne Business-Modell und der Behauptung, Google lebe vom Diebstahl geistigen Eigentums. Doch das stimmt eigentlich gar nicht – jedenfalls laut FTD:

Zwischen 30 und 50 Prozent aller Besucher von deutschen Nachrichtenwebseiten kommen über eine Google-Suche zum Ziel – das sorgt für Leserreichweite und damit auch für höhere Online-Werbeeinnahmen.

Schade, daß bei der Debatte eine Lösung noch nie thematisiert wurde, die ich schon mehrfach vorgeschlagen hatte: warum setzen sich Burda, Holtzbrinck, G+J und alle anderen Verleger nicht an einen Tisch und schaffen (so wie damals bei der Gründung der dpa) gemeinsam eine Suchmaschinenalternative. Als Mediator stelle ich mich gerne zur Verfügung, das Know-How für die Indexierung ist in Deutschland sicher vorhanden und die einzelnen Schritte hatte ich ja schon mal dargestellt.

Glück auf, Verleger und Adieu, Google muss die Devise für News heissen! Gebt mir 5 Millionen Euro und ich starte das Projekt David!


COMMENTS / 3 COMMENTS

Burda, Holtzbrinck, G+J + alle anderen Verleger? Da kommt nur Käse dabei raus… :) Die Jungs können prima Holz bedrucken, mehr leider auch nicht. Für solch ambitionierte Projekte reicht es niemals…

BuzzEins added these pithy words on Dec 14 09 at 0:54

Ja, so doof sind die alle nicht, wie mancher glaubt – sage ich einfach mal nicht nur so, sondern ist mein Fazit, wenn man deren Beteiligungen ansieht. Interessant: online schleichen sich alle aus dem Thema News und Content durch die Hintertüre raus und investieren kräftig in eCommerce und Communities wie XING. Aber klar: diese Ideen sind alle nicht in den großen Medienhäusern entstanden, aber man hat (noch) genug Mittel, um sich die besten Webprojekte zu kaufen. Allerdings bleibt das Problem im Kerngeschäft ungelöst: Wie übersetzt man News in Euro? Google kann das schon sehr, sehr gut. Aber davon lernen: nein, das sind doch keine Medienexperten …

Frank Huber added these pithy words on Dec 14 09 at 1:17

Ich bin auch der Meinung, dass es für so große Projekte eben bei den anderen Verlegern nicht reicht. Google kann das echt schon recht gut, aber es ist noch nicht ganz ausgereift, alles.

Tobias Müller added these pithy words on Jan 11 10 at 13:02

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Die Medienkrise – wer ist schuld: Google oder Verleger wie Murdoch?

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