Wie die “Financial Times” berichtet, führte Microsoft bereits erste Gespräche mit dem Murdoch-Konzern News Corp über einen Wechsel von Google zur eigenen Suchmaschine Bing. Laut dem Blatt will Microsoft möglicherweise dafür bezahlen, dass Nachrichtenseiten von News Corp künftig exklusiv bei Bing auffindbar sind.
Von dem Angebot erhofft sich Microsoft nach Angaben der “Financial Times” einen größeren Marktanteil beim Suchmaschinengeschäft. Der Schritt könnte aber auch Google dazu bewegen, für Inhalte zahlen. Bis heute haben die Verlage keine Strategie gefunden, wie sie für ihre Online-Informationen Geld bekommen können.
Ob die Medienhäuser Google jedoch mit einem Wechsel zu Bing unter Druck setzen können, ist fraglich. Einer Studie der Unternehmensberatung The Reach Group zufolge gehören nur fünf Prozent der Google-Treffer auf Seite eins den Verlagen, die die so genannte Hamburger Erklärung unterzeichnet haben. Darin haben sich insgesamt 166 Medienhäuser aus aller Welt zusammengeschlossen, um gegen die Ausbeutung ihrer Inhalte durch Google zu protestieren.
Schätzungen zufolge verlöre WSJ.com ohne Google rund ein Viertel seines Nutzeraufkommens. Murdoch sagte dem US-Fernsehsender Sky News, der ebenfalls zu News Corp gehört: “Wir wollen lieber weniger Nutzer auf unseren Webseiten, dafür aber solche, die zahlen.” WSJ.com-Nutzer müssen für einen Teil der Inhalte bezahlen, ebenso wie Leser der Internetausgabe der Financial Times. Allerdings hat Google ein Abkommen mit News Corp, das den Suchmaschinennutzern trotzdem das kostenlose Lesen von WSJ-Inhalten ermöglicht.
Microsofts Vorstoß ist ein Frontalangriff auf Google. Kritiker werden aber sicher einwenden, daß es wenig sinnvoll ist ein Informationsmonopol durch ein zu schaffendes anderes Informations- (und Verwertungs-!)monopol zu ersetzen. Ich hatte als dritte Option nach Google und Microsoft stets vorgeschlagen, daß die Verleger sich in Form einer Verwertungsgemeinschaft bzw. Genossenschaft zusammentun und so unabhängig von Google & Co. werden. Den Ausschluß von Google hat ich damals als einen von vier Schritten bereits vorgeschlagen. Nach wie vor scheint aber der Leidensdruck noch nicht groß genug zu sein, daß die Verlage sich hier gemeinsam an einen Tisch setzen und an der Nahe liegenden gemeinschaftlichen Lösung arbeiten würden.
Denn eines ist auch klar: solange Google quasi das milliardenschwere Verwertungs- und Werbemonopol auf Suchmaschinenanzeigen besitzt, wird kein Verlag alleine eine Chance haben seine Contents zu Geld zu machen. Hier kann nur ein mächtiger direkter Konkurrent zu Google Adsense / Adwords helfen, der die Verleger wieder voll von ihren Inhalten partizipieren lässt. Doch der ist zur Zeit nicht in Sicht.
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