Im Moment ist eine rege Diskussion zum Thema “Paid Content” (s.u.a. den FTD-Artikel “Bezahlen hat Zukunft” von Christoph Keese) im Gange, die meines Erachtens auf einem Kategorienproblem beruht und somit das Thema (in diesem Fall “Zukunft der Medien im Internet”) vollkommen verfehlt. Im Klartext: Journalisten führen hier eine Debatte, die Äpfel mit Birnen vergleicht und die einiger ökonomischer Erhellung bedarf, um nicht zu falschen Schlüssen zu führen und v.a. falsche Hoffnungen zu wecken.
Denn Christoph Keese zeichnet in seinem Artikel ein sehr positives Bild von der Zukunft der Bezahlinhalte. Ich war nicht nur etwas verwundert über diese Sicht angesichts der Realität (”Gratis-Kultur” im Internet), sondern auch erstaunt, eine so wenig fundierte ökonomische Analyse der Situation zu lesen. Sowohl Keese als auch Dreykluft analysieren den Markt für Contents vollkommen rückwärtsgerichtet und fokussieren auf die Kosten der Produktion und Distribution von News in der alten Welt der physischen Produktion von Informationsträgern (oft auch “Holzmedien” genannt).
Heute werden jedoch News mit enormen Skaleneffekten elektronisch publiziert und aufgrund der Grenzkosten einer digitalen Kopie von (nahezu) Null geradezu inflatorisch in den Markt bzw. das Internet verteilt. Bits sind eben keine Bananen, und damit knapp und teuer, sondern heute schon eher wie Chris Anderson in seinem neuen Buch schreibt nahezu “to cheap to meter”. Oft kommen zu dieser Form der gigantischen Fixkostendegression noch Netzwerkeffekte, die wie im Falle von Software (Beispiel: Microsoft Windows) oder Hardware (Beispiel: Apple iPod) zu enormen Lock-in-Effekten führen.
Das Verständnis dieser neuen “Newtonschen Gesetze” scheint nicht nur den beiden Autoren, sondern auch vielen Verlegern und Verlagsmanagern vollkommen zu fehlen. Denn nur wer diese Fakten (wie Netzwerkeffekten, Versioning, Lock-in-Effekte, etc.) verstanden hat, kann erst überhaupt daran gehen, entsprechende Produkte und Dienstleistungen zu gestalten und anzubieten. Es ist kein Zufall, dass die führenden Köpfe auf diesem Gebiet wie z.B. Andreas Weigend und Prof. Axel Ockenfels amerikanische Unternehmen wie Amazon und eBay beraten. Ein Mitbegründer der Netzwerkökonomik, Hal Varian, ist heute Chief Economist bei Google.
Apples (derzeit leider krankheitsbedingt beurlaubter) CEO, Steve Jobs hat seine “network economics lessons” gelernt und das Spiel von Soft- und Hardware-Netzwerkeffekten u.a. mittels ständig neuer Hardware-Generationen und eines perfekt funktionierenden DRM-Systems so weit perfektioniert, dass er eine seinem Unternehmen einst vollkommen fremde Branche, die Online-Musik-Branche, inzwischen vollkommen dominiert und den einstigen “Platzhirschen” (also den Musiklabels) die Preise diktiert.
Ja, für Steve Jobs und viele andere (genügend Beispiele hatte ich auf dem Social Media Forum in Hamburg genannt) hat Bezahlen wirklich Zukunft. Aber nicht weil sie sich in geradezu romantischen Betrachtungen zu “Qualität, Kreativität und Schöpfungshöhe” nach treudeutscher Art ergehen, sondern weil sie ihre Hausaufgaben (wahrscheinlich zumeist an Elite-Universitäten wie Stanford, etc.) gemacht haben. Denn das Budget der Konsumenten (auch das hatte ich in Hamburg gezeigt) ist da – nur wird es vielleicht nicht nach dem Gusto der Redaktionen und Verlage in Zukunft ausgegeben werden.
Es gilt sich also anhand dieses neuen Mediennutzungs- und Ausgabeverhaltens als Medienhaus neu zu erfinden und die Chancen der Digitalisierung als solche zu begreifen und vor allem zu ergreifen. Natürlich haben Anbieter vertrauenswürdiger Informationen im Netz eine Zukunft, es darf aber die Frage gestellt werden, ob diese das Kernprodukt oder eine Selbstverständlichkeit und Grundvoraussetzung für ein nachhaltiges Business sein wird.
In diesem Sinne sollte man eine Diskussion um die Zukunft der Medien im Internet stets adäquat und v.a. auf der angemessenen theoretischen Basis führen. Ein Beleg dafür ist die Tatsache, daß amerikanische und nicht deutsche Unternehmen führende Experten wie Prof. Ockenfels und Andreas Weigend beauftragen, sie in Medienprojekten zu beraten. Es wäre sicherlich interessant, was Ockenfels und Weigend zu dem Thema sagen würden.
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COMMENTS / ONE COMMENT
Warren Buffett added these pithy words on Jan 05 10 at 8:12Für Qualität bin ich durchaus bereit dafür zu bezahlen.
Apple macht es bei itunes vor wie es gehen kann, man bezahlt gerne für einen Song den man mag 99ct.
Es muss seinen Preis auch wert sein….
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