Springer ist online erfolgreich – und wenn man Matthias Döpfner auf dem Monaco Media Forum so zuhört, scheint Springer wirklich der Online-Gewinner zu sein, während eine ganze Branche weltweit jammert. Doch was Matthias Döpfner auf dem Monaco Media Forum nicht gesagt hat: eine Vielzahl der sieben angedeuteten Online-Cashcows sind gekauft und nicht eigene Erfindungen. Drei Beispiele aus dem Springer Quartalsbericht:
Im Segment der Digitalen Medien stieg Axel Springer durch den Erwerb von auFeminin.com in Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Belgien und der Schweiz zum profitablen Marktführer im Bereich der Onlineangebote für Frauen auf. Im Dezember erreichte auFeminin.com weltweit 25,9 Mio. Unique User und 545 Mio. Page Impressions. Zanox.de, ein führender Dienstleister für erfolgsbasiertes Online-Marketing, steigerte 2007 den Umsatz deutlich und baute seine starke Marktstellung weiter aus. Idealo.de, eine der führenden Preis- und Produktsuchmaschinen, erhöhte die Anzahl der Angebote um 91 Prozent und erzielte deutliche Zuwächse bei der Anzahl der generierten Transaktionen.
Zwei der genannten Unternehmen, idealo.de und zanox.de sind zudem keine journalistischen Produkte. Die alten Medienmarken schlagen sich online zwar gut, aber ob sie profitabel sind, ist fraglich:
WELT ONLINE übertraf nach dem Relaunch im ersten Quartal 2007 alle Erwartungen und steigerte die Seitenabrufe um 130 Prozent sowie die Visits um 42 Prozent. Im vierten Quartal belegte WELT ONLINE mit 99,1 Mio. Seitenabrufen auf Monatsbasis (IVW) die Spitzenposition unter den Qualitätstageszeitungsportalen in Deutschland vor den Wettbewerbern Sueddeutsche.de und FAZ.net.
Wer die aktuelle IVW-Auswertung kennt, weiss, daß die IVW momentan von Social Networks und User-generated content dominiert wird. Kein Wort davon in Monaco.
Dafür wird auf 25% Printmarge verwiesen. Klar: mit diesen Gewinnen im Rücken läßt sich leicht investieren. Nur investieren ist nicht innovieren. Springer und Döpfner agieren wie eine gut geführte Investmentbank, die Investmentchancen identifiziert und dann investiert. Jüngste Beispiel: StepStone.
Aber es wird kein erfolgreiches neues journalistisches Produkt online gebracht, das wie Huffington Post Qualität und hochwertige Inhalte bietet. Döpfner beschwert sich stattdessen, daß freier Zugang zu Informationen kommunistisch sei. Huffingtons Antwort: “You can’t enter the same river twice.” Sie hat Springers Schwäche sofort erkannt: die vernetzte Wirtschaft der Zukunft wird auf freien Informationen beruhen – auch wenn Döpfner dabei von Ideen alter Webkommunisten spricht und mit alten Denkfiguren und Geschäftsmodellen zu neuen Ufern aufbrechen will.
Die Fronten sind damit klar: “fair rules” gegen Content-Diebstahl auf der einen Seite und eine vollkommen neue Sicht auf der anderen Seite. Dies sollte Springer zu denken geben.
Die eigene Innovationsstrategie sieht momentan so aus: man investiert in andere (profitable) meist Journalismus-fremde Projekte und entfernt sich so vom “Markenkern”. Eigentlich schade, denn das wird viele Journalistenjobs und Redaktionsarbeitsplätze kosten. Noch hätte man die Chance mit neuen Konzepten zu spielen, journalistisch neue Wege zu gehen und die entsprechenden Talente anzuziehen. Diese Talente werden – da sind sich alle einig – gebraucht, um die “Krise des Journalismus” zu bewältigen.
Free content ist auf jeden Fall die Zukunft im journalistischen Bereich – das haben die User schon entschieden. Paid Content lebt übrigens auch – aber vielleicht nicht dort, wo viele Verleger dies gerne hätten – nämlich in den eigenen Geschäftsfeldern. Das wäre ja auch zu einfach. Ja, den Wandel den es in den Verlagshäusern geben muß, den muß man eben leben – Matthias Döpfner könnte sich da ruhig mal von Arianna Huffington beraten lassen.
P.S.: Es ist schon bezeichnend, daß Matthias Döpfner übrigens auch in Zukunft keinen Blog haben wird, während Arianna Huffington von “The Huffington Post” weiter daran arbeiten wird den Journalismus neu erfinden.
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