Ich habe gerade einen Blogpost gelesen über das Thema Werbung, das Social Web und Aufmerksamkeit. Die Argumentationslinie lautete so: also wenn niemand mehr Werbung wahrnimmt, jeder nur noch in Social Networks aktiv ist und dort seine Aufmerksamkeit investiert, dann ist Social Media die Lösung aller Probleme.

Stimmt – aber eigentlich doch nicht. Denn ich habe immer gesagt: Aufmerksamkeit ist nicht knapp – man kann Sie nämlich erzeugen. Aufmerksamkeit ist nicht knapp – die Zeit der Betrachter ist knapp. Das Mediennutzungsverhalten und seine Veränderungen zeigt, wer die echten Gewinner sind. Und wie oft Medien inzwischen parallel genutzt werden (”split attention”). Geteilte Aufmerksamkeit ist dabei geteilte Medienzeit.

Soziale Netzwerke sind Profiteure in Sachen Aufmerksamkeit, das zeigen die aktuellen Zuwachsraten und Nutzungsdaten. Doch was bedeutet Aufmerksamkeit eigentlich? Denn es gibt positive und negative Auswirkungen von Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist also per se nicht nur positiv zu bewerten. So mancher Social Media-GAU hat Unternehmen schon viel Umsatz gekostet.

Es bleibt dabei: Am Ende zählt nur inwiefern Aufmerksamkeit in Transaktionen konvertiert werden kann. Hier gleicht die Denke vieler in der klassischen Werbung groß gewordener Experten oft der in der klassischen Werbung etablierten. Doch Aufmerksamkeit ist nicht wie ein Imagewert ein Kampagnenziel, sondern heute Grundvoraussetzung für eine Transaktion, für Umsatz, für den Media-ROI.

Seltsam, dass niemand hinterfragt, wie viele VW Golfs durch den Schlämmer-Blog verkauft wurden, oder wieviel Umsatz der Social Media-Einsatz in Sachen Vodafone gekostet hat. Aufmerksamkeit haben sie alle erzielt, aber hat jemand den Umsatz gemessen, der dadurch generiert wurde? Eine Mediawertanalyse ist eine Vorstufe zum Social Media ROI-Konzept, denn hier trennt sich irgendwann die Spreu vom Weizen.

Nicht hier und nicht heute, dafür ist die Social Media-Szene noch zu jung. Denn momentan sehen viele nur mehr PI, mehr Visits und bessere Google Rankings. Das ist alles schon ganz gut und sicher ein richtiger Schritt. Doch channel-spezifische eCommerce- oder Service- und Abo-/Premium-User-Angebote sind wichtige Angebote, die Aufmerksamkeit in Euro übersetzen.

Dazu kommt allerdings auch ein Kostenproblem: 1:1-Kommunikation, bzw. Konversationen kosten Geld. Die Kommunikations-Skaleneffekte wie bei der klassischen Werbung (einmal abgenickt, millonenfach gesendet) existieren im Social Media-Bereich nicht. Hier müssen unbedingt Formen der Prozessoptimierung und Automatisierung gefunden werden, denn nur so kann eine Kostenlawine verhindert werden. Schon heute werden Blog-Kommentare nicht mehr zugelassen, weil deren Moderation zuviel Geld kostet. Lean Social Media ist daher die (oft traurige) Folge.

Mein Fazit: Social Media kann langfristig nur erfolgreich sein, wenn auf der Umsatz-/Absatzseite zurechenbare Erfolge erzielt werden und auf der Kostenseite eine Kostenexplosion bei gleich bleibender Konversationsqualität verhindert werden kann.


COMMENTS / 5 COMMENTS

[...] Social Media ROI oder: Bedeutet mehr Aufmerksamkeit auch mehr Umsatz? [Media-Blog] [...]

Blick auf KW 37 #Linksammlung « Gedankensolo added these pithy words on Sep 14 09 at 9:01

[...] Thema Social Media ROI wird ja bereits seit Monaten intensiv diskutiert. Meine Vorschläge dazu: Mediawertanalyse und Erhebung des User-Feedbacks durch Befragungen. Die [...]

Media-Blog » Blog Archive » Social Media voll im Trend: Unternehmen erhöhen Budgets für 2010 added these pithy words on Dec 02 09 at 16:22

Die Frage des ROI ist auch bei unseren Kunden eine häufig gestellte. Was die 1:1 Kommunikation bringt ist vergleichbar mit der Frage was einem das Gespräch auf dem Golfplatz bringt. Nur wird man dort über grössere Dimensionen reden als beim Endkonsumenten. Durch das Kippen des etablierten Sender-Empfänger Modell one-to-many in einen offenen Dialog zwischen Kunde und Unternehmen, viel mehr aber noch durch den zwischen Konsumenten, deren Urteil sie weit mehr vertrauen als Werbung und Fachpresse haben sich die Machtverhältnisse extrem verändert. Nun ist es der Konsument, der entweder anfängt Werbung fürs Unternehmen zu machen, oder schlechte PR. Inwieweit man überhaupt in der Lage sein wird, die Mechanismen wieder in die Hand zu nehmen und auch hier seine Kunden “zu erziehen” bleibt die Million Dollar Question.

Dirk Worring added these pithy words on Sep 07 09 at 8:13

Dem kann ich nur zustimmen. Allerdings darf man natürlich auch nicht vergessen, dass nach wie vor Massenmedien wie das TV intensiv genutzt werden. Dort war die Absatzwirkung bisher auch nur ein Randthema mangels Meßbarkeit, aber ich denke mit den Möglichkeiten des Internets wird sich da einiges ändern. Google macht es mit Adwords/Adsense vor – nur im Erfolgsfall wird für Werbung bezahlt. Es ändert sich also auch für die Medien etwas: sie werden mehr oder minder genötigt ein Teil des “Verkaufsrisikos” zu tragen und sich selbst zu verdienen. Eine Denke, die natürlich auch massiven Einfluß auf die (Qualität) der Contents haben wird.

Frank Huber added these pithy words on Sep 07 09 at 9:28

Social Media ohne den Nutzer ist in meinen Augen schwachsinn. Was nutzt es wenn z.B. 2500 Follower bei Twitter immer wieder mit seinen Produkten penetriert? Abstumpfung ist der Fall. Das Problem bei Diensten wie TWitter, Facebook oder was auch immer ist, dass die Messungen zwar gemacht werden könnten, aber nur gar nicht bis spärlich wieder an den Werbenden zurück dringen. Die Einbindung von Tracking tools a la Google Analytics können hier zeitweilig Messergebnisse liefern allerdings nur in Interaktion mit dem ausliefernden der Werbung. Hierzu gibts u.a. ein gutes Buch.

ABER: Social Media als Allheilmittel der Werbung zu propagandieren finde ich persönlich die Falsche Richtung. Viel mehr sollte nach innovativen Lösungen ausschau gehalten werden, die dem Internet User einen Mehrwert bieten. Das Crive Prinzip (http://www.crive.de) ist so ein Mehrwert für den Benutzer – Dienste die die Welt braucht.

Abi added these pithy words on Sep 07 09 at 11:42

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Social Media ROI oder: Bedeutet mehr Aufmerksamkeit auch mehr Umsatz?

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