“Thank you, guys! You really rock!” – das waren die Abschiedsworte beim Verlassen des Recycling Camp @ Burning Man. Was für eine Erfahrung: sieben Tage in der wohl staubigsten Wüste der Welt, ohne fliessendes Wasser, Strom und Internet. Natur pur, gemixt mit Party und Kunst – 24h around the clock.

Eine unbeschreibliche Kombination und Erfahrung. Nichts für Normalverbraucher, Sesselfurzer und Gelegenheitsalkoholiker. Wenn dann richtig – hier sind (Mit-)Macher gefragt. Unser Ergebnis z.B.: über eine Tonne Alu-Bierdosen recyclt. Nicht kostümierte Zaungäste oder fotografierende “Touristen” unerwünscht. Jeder bringt mit und macht mit – soweit er kann und will.

Denn darauf basiert die so oft beschriebene Geschenke-Ökonomie: DU bist Burning Man. Da gibt es Leute, die machen morgens mal schnell 1000 Pancakes oder pressen Hunderte Liter frischen Orangensaft. Andere geben abends phänomenale Feuershows oder bieten eine Mitfahrt mit ihren riesigen Art cars an. Du brauchst eine Massage, eine kühle Limonade oder einen Hotdog? Here it is – ein kleines Geschenk als Dankeschön macht sich übrigens sehr gut.

Doch nicht nur für das leibliche Wohl ist stets gut gesorgt – es gibt jede Menge Kurse – von Esoterik über Yoga bis zu jeglicher Art von “Erwachsenen-Inhalten”. Nichts muss, alles kann. Eine wilde Mischung. Doch stets gut bewacht – v.a. von den zahlreichen Gesetzesvertretern. Vom Sheriff, bis zum Ranger oder gar ganzen Teams von Undercover Agenten (die einen dann ganz unauffällig anquatschen, ob man “weed” hätte und ob man wüsste, wo man das kaufen könnte …).

Die braucht es auch – denn ehrlich habe ich noch nie so viele Konsumenten von legalen und illegalen Drogen auf einem Fleck gesehen. Bloody Mary zum Frühstück ist da die einfachste Übung – ab mittag geht es im Deep End (einer riesigen Open air – Raverdisco) schon so ab, dass der Bartender Rätselfragen stellen muss, damit die Bar nicht binnen Stunden leer getrunken wird. Für die Abkühlung der tanzenden Massen sorgte übrigens eine Lady mit dem Kärcher – sehr cool!

Sobald es dunkel wird beginnt sowieso der “booze overkill” – teilweise verbraten die Camps Hunderte Gallonen billigen Vodkas und Gins, aber auch Fassbier habe ich in der Wüste gefunden und jede Menge cooler neuer Cocktails wie z.B. Moscow Mule und Sake Bomb.

Wie gesagt: man kann auch Wasser trinken – und das sollte man auch (mindestens eine dreiviertel Gallone am Tag). Denn Schilderungen am nächsten morgen zufolge werfen die Leute dann so ziemlich alles ein, was an illegalen Substanzen zu haben ist: Cannabis, Speed, Ecstasy, Mushrooms, … Wie gesagt: ich brauche das nicht und es wundert mich immer wieder wie locker mit dem Thema Sucht (auch hier) umgegangen wird. Meine Droge ist das Leben.

Doch was ist nun der wirkliche Kick, die wirkliche Magie von Burning Man? Es ist das Erlebnis, in einer Parallelwelt zur “default world” zu leben, in der es KEINE Werbung, KEINE Marken und KEIN Geld gibt. Eigentlich eine Unmöglichkeit in einer der höchstkapitalisierten und kommerzialisiertesten Gesellschaften der Welt.

Doch “Americas best and brightest” haben scheinbar ganz andere Bedürfnisse. Das Erlebnis des gemeinsamen Arbeitens und Lebens in einer Stammesgesellschaft schweisst die Leute zusammen und macht vollkommen neue Begegnungen und Erlebnisse möglich.

Burning Man ist in dieser Beziehung einer funktionierende, gewaltfreie und kreative Gesellschaft, die sehr inspirierend wirkt. Von daher kann ich jedem nur empfehlen dorthin zu fahren – und seine Komfortzone zu verlassen. Wie sagt Blue, unser Recycling-Camp-Chef (T-Shirt-Motto: “My chainsaw runs on bio diesel”):

“On some festivals you go to SEE the things, to burning man you go to BE the things that happen.”


COMMENTS / 4 COMMENTS

[...] deutscher Besucher berichtet über seine Erfahrungen und [...]

Burning Man Festival 2009 added these pithy words on Jan 27 09 at 22:51

Klasse Artikel besser glaube ich kann man Burning Man nicht beschreiben:-)

cris added these pithy words on Sep 06 08 at 16:08

schöne schilderung ;-)

burning man erinnert mich von der maxime die gelebt wird an die zahlreichen illegalen teknivals in tschechien, ostdeutschland, polen, bulgarien, etc.
eintritt? nada. bier so billig wie es geht. leute aus aller herren länder, gaukler, feuerspucker, verrückte.

leider bekommt die “normale” gesellschaft nichts davon mit und wird nicht aus ihrem trott geschüttelt, für mich ist es das highlight des jahres, sowohl partytechnisch als auch kulturell.

Christoph Bauer added these pithy words on Sep 07 08 at 22:53

Danke für das Lob und wie gesagt: Wer Fragen hat zum Burning Man, einfach melden. Apropos Teknivals: vielen ist der Burning Man schon zu populär geworden (zu viele RVs, fotografierende Short-Träger, etc.). Ein Geheimtipp ist das mutant fest – siehe http://www.mutantfest.org/
P.S.: Der Burn ist aber nach wie vor beeindruckend – auch wenn er ans Disneyland Firework erinnert: http://current.com/items/89250588_burning_the_man_2008

Frank Huber added these pithy words on Sep 08 08 at 7:42

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Burning Man 2008: eine Mischung aus Wüstenplanet, Mad Max und Love Parade

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