D. Petereit war Problogger und bringt seine derzeitige Stimmung auf den Punkt: “Ich sage es mal ganz platt. Ich habe die Schnauze voll. Deadlines, eine definierte Postingfrequenz, eine Mindestanzahl von Wörtern pro Post. Zwei Jahre habe ich das gemacht. Jetzt ist Schluss damit.

Bloggen für Geld scheint eine brotlose Kunst zu sein. Das hat man selbst in USA erkannt, wo die Problogger wie die Fliegen sterben. In Deutschland scheinen aber doch einige zu überleben, aber nur weil Sie sich stromlinienförmig und thementechnisch kommerziell angepasst haben.

Petereit nennt ein Beispiel – Robert Basic: “Wann hat man bei Basic zuletzt etwas wirklich Kritisches gelesen, dass sich nicht mit irgendwelchen abseitigen Web2.0-Themen befasst hat?” Und weiter: “Robert Basic schreibt nicht, wie der Trigami-Blogger, einzelne Beiträge für Geld, er schreibt alle seiner Beiträge gegen Geld. Er lässt sich nicht bezahlen, er hat sich kaufen lassen. Kürzlich gab er das auf seinem Blog sogar zu …

Ja, es gibt halt immer welche die nach einem in die Drehtür hereingehen und vor einem wieder herauskommen. Magic Basic ist so jemand – aber vielleicht kommt da ja auch etwas Neid bei anderen auf.

Denn neben den jämmerlichen 3500 Euro für Werbung verdient Basic dank seines Instinkts (”Basic Instinct”) sicherlich gut fünfstellig mit Beratung das ganz grosse Geld – zumindestens für Familienväter, die von zu Hause aus ihr Business machen. Dazu kommen vielleicht noch einige klitzekleine Beteiligungen für das Pushen bestimmter Startups – fertig ist die Altersversorgung.

Man muss nur wissen wie man es machen muss – da dürften selbst die Holtzbrincks dieser Welt staunen. Die haben nämlich ihr totes Projekt Germanblogs mehr oder minder in andere Hände (an die Seometrie GmbH) gegeben. Sicherlich nicht, weil Germanblogs so erfolgreich war.

Ich habe immer gesagt: Verleger 1.0 wie Burda, Springer, etc. und Verleger 2.0 wie unser Robert sind schlau. Die lassen die Finger von Blogs, weil es da nix zu holen gibt. Selbst mit Ausbeutung wie im Falle Petereit ist da kein grüner Adsense-Dollar unterm Strich zu machen.

Warum machen wir das alles also dann? Gute Frage, auf die jeder selbst eine Antwort wissen muss. Ich denke Blogs sind grandiose, aktuelle Newsquellen und teilweise sogar bessere Info- und Kontaktbörsen als XING, LinkedIn, etc.

Klar, sind sie nicht so zuverlässig und valide wie andere Medien – aber in der Unschärfe liegt gerade der Reiz. Was mir allerdings fehlt ist die Nutzung der vorhandenen Freiheitsgrade: es wird zuviel mainstream gebloggt und zu wenig einzigartiges. Das merke ich auch auf meinem Blog, auf dem viele die News gerne lesen, aber in neue Gedankengänge nicht einsteigen – vielleicht weil sie ihnen zu fremd sind.

Das finde ich etwas schade – freue mich aber wiederum auch über eMail-Zuschriften und Anregungen, die mich schon sehr viel weiter gebracht haben. Insofern ist es schon toll, Teil des Web 2.0 zu sein und es von innen zu erleben. Wie sagt D. Petereit: “Künftig werde ich in Blogdorf nur noch tun, was mir Spaß macht. Das habe ich schon immer getan.


COMMENTS / 6 COMMENTS

[...] geldnn man aber mal schaut, wo die Nobelpreisträger forschen, dann > fällt auf, dass Deutschland hier nicht vertreten ist. Der > Chemie-Nobelpreis ging z.B. an Forscher aus USA, Japan und der > Schweiz. > Das ist doch ein Zeichen, dass in Deutschland keine ernstzunehmende > Forschung betrieben wird. Hier muss sich etwas tun. Wir können nur > mit Forschung (Innovationen) weiterkommen, denn wir haben keinerlei > Rohstoffe, die wir exportieren könnten. Natuerlich. Um das zu erkennen, muss aber erst einmal der Leidensdruck genuegend gross sein. So sonderlich signifikant besser sieht die Situaton in den USA uebrigens durchaus nicht aus (wenn ueberhaupt besser). Kraft der unuebersehbaren Erfolge der letzten Jahrzehnte ist auch dort eine weitreichende Selbstzufriedenheit eingerissen, die sich vor allem im Bildungswesen aeussert. Mit dem im eigenen Land ausgebildeten Nachwuchs koennten die USA schon heute lange keine Spitzenleistungen in der Forschung mehr erbringen. Momentan funktioniert die Forschung ueber Einwanderer, vorzugsweise aus Asien. Eine durchaus wackelige Konstruktion. Aber das soll natuerlich jetzt nicht von den unuebersehbaren Problemen im eigenen Land ablenken. [...]

j :: Re: Häten sie nicht auf Linux gesetzt hätten sie jetzt genug Geld - IBM-Chef fordert mehr Geld für die Forsc… :: April :: 2008 added these pithy words on Apr 16 08 at 9:54

Mal ein schöner Artikel hier, hehe.

Die mangelnde Ausnutzung der Freiheitsgrade ist in der Tat ein Faktor, den ich auch bemerke. Mainstream ist allerdings was für Feiglinge. Ich nutze vorhandene Freiheitsgrade jedenfalls weitestmöglich aus. Damit macht man sich natürlich auch Feinde.

Aber Harmonie fand ich schon immer langweilig.

Zu Germanblogs und Seometrie würde mich Ihre Meinung interessieren. Können Sie erkennen, was das dort flutartig erscheinende Sinnlosgeblogge ohne Background strategisch soll?

Übrigens: Themecredits entfernen ist uncool (vorsichtig ausgedrückt).

Dieter Petereit added these pithy words on Apr 11 08 at 12:05

Zu Germanblogs und Seometrie kann ich nichts fundiert sagen, da ich mich damit nicht beschäftigt habe. Schade finde ich aber, dass ein flutartig erscheinendes Sinnlosgeblogge ohne Background die Qualität senkt. Aber ich denke das entsteht aus Kostengründen. Mir wurden schon Fälle von US-Blogs berichtet, die Blogposts in China schreiben lassen. Das gibt es übrigens auch im eCommerce Bereich bei Produktbeschreibungen. Bei Google heisst das Zauberwort ja bekanntlich “unique content” und hält die Kosten schön hoch …
Anyway – brajeshwar-v70-1 hatte keine Themecredits, also kein Anlass für unnötige Verdächtigungen, sondern eher upzudaten. Aber Danke für den Hinweis!

Frank Huber added these pithy words on Apr 11 08 at 12:22

Dann entschuldige ich mich vielmals (wegen der Sache mit den Themecredits).

Produktbeschreibungen in China schreiben zu lassen, kann ich sogar noch nachvollziehen, aber Blogbeiträge? Bloggen heißt doch eigentlich erleben, werten, kommentieren, erzählen.

So betrachtet kann die Strategie, aus Kostengründen irgendwelche austauschbaren Beliebigkeiten dahinschmieren zu lassen doch nur als Selbstmord aus Angst vor dem Tode verstanden werden.

Dieter Petereit added these pithy words on Apr 11 08 at 15:04

Klar, mir ist das auch wesensfremd – aber auch Blogs werden zunehmend vom SEO Virus infiziert, v.a. wegen Googles Fresh Content Bonus (der die etablierten Portale verängstigen soll und diese ggf. sogar zu Adwords-Werbung treibt).
Alles strukturell nicht besonders toll …

Aber hier kocht der Chef noch persönlich :-) … keine Chance der Inhalte-Schnellkost aus USA und China!

Frank Huber added these pithy words on Apr 11 08 at 15:10

Bloggen sollte dafür dienen, dass jeder persönliche Erlebnisse schildert, um sie einem großen Publikum mitzuteilen. Für mich verliert der eigentliche Blog an Wert, wenn solche Leute im Internet ihr Unwesen treiben. Ich finde es ist ein Unding und nicht nachvollziehbar.

Dennis added these pithy words on Apr 11 08 at 21:57

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Bloggen für Geld als brotlose Kunst – das muss nicht sein

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