Googles Dominanz im Online-Werbe-Business sollte eigentlich alle Mitbewerber und v.a. Contentanbieter auf den Plan rufen. Im Klartext: es herrscht “red alert”, DefCon1 für alle, die nachhaltig Werbeerlöse erzielen wollen und sich nicht in eine extrem starke Abhängigkeit von einem Anbieter bringen wollen.

Nun hier (quasi als mein Geburtstagsgeschenk an mich) meine Strategie wie man Google in vier Zügen schachmatt setzt:

  1. Rückgewinnung der Mediaetats: durch den Aufbau von Google light, bzw. einer Adwords-/Adsense-Alternative erhalten die Contentanbieter wieder die Hoheit über ihre eigenen Werbeplätze zurück. Eine potenzielle Kündigung der Adsense-Verträge würde das Contentpartnernetzwerk Googles minimieren, die Reichweite des Netzwerks dramatisch sinken. Wie gesagt, das ist ein Gedankenspiel – keine Handlungsanleitung …
  2. Contentanbieter etablieren ihr eigene (interne) Suchmaschine: neben die Google Adwords-/Adsense-Alternativ-Textanzeigen treten Sucheingabefelder, um den gesamten Content des neuen Contentpartnernetzwerks zu durchsuchen. Kunden gewöhnen sich daran über starke Medienmarken und nicht mehr über Google nach Content zu suchen – die Startdestination wird Focus, BILD, StudiVZ oder sonst wie heissen – weil man von dort aus auch alles findet. Und nur noch dort findet. Denn es folgt sogleich der nächste Streich …
  3. Ausstieg der Contentanbieter aus dem Google Index. Zeitgleich mit dem Pushen der eigenen Suchmaschine (Codename: DAVID) steigen die Contentanbieter aus dem Google Index aus – Googles Index trocknet im Newsbereich vollkommen aus, die Reichweite fällt stark. Nur noch unbedeutende Long Tail-Sites sind im Google Index – den “guten Stoff” gibt es nur noch bei DAVID. Dorthin verschieben sich die Werbeetats – Googles Adsense/Adwords mitsamt Auktionsmodell stand Pate.
  4. Etablierung von DAVID als Suchmaschine fürs gesamte Web. Google hat nicht nur keine guten Inhalte mehr, DAVID hat den Suchmaschinen Goliath auch im Mediabereich lange überrundet und die Mehrheit der Mediaetats übernommen. Dadurch stehen nun zusätzliche Finanzmittel für das Crawlen des gesamten Web zur Verfügung – das Contentpartnernetzwerk wächst weiter, jeder Anbieter – auch kleinere Seiten oder Blogger – können das Suchwort-Vermarktungssystem nutzen, ein neuer Media-Goldstandard wurde etabliert.

Fazit: david hat GOLIATH in vier Zügen schachmatt gesetzt :-)

So und jetzt dürfen sich die (mir im übrigen sehr sympathischen* Menschen) melden, die auf Verlegerverbandstreffen immer rufen: “Dann lasst uns halt a mal 20 Millionen in die Hand nehmen, dann bauen wir a zweites Google.”

Ich komm’ mit weniger aus und erreiche den Break-even schon in Phase 1. Und mache in meinem Gedankenexperiment ausserdem nicht den Fehler Google frontal mit einer Suchmaschine anzugehen. Den Stier bei den Hörnern zu packen ist nämlich tödlich – es gibt cleverere Wege, wie ich hoffe mit meiner kleinen Analogie zu David und Goliath gezeigt zu haben.

Wie heisst es immer so schön: Wir hoffen, Sie gut unterhalten (und inspiriert) zu haben. Zurück zu Google.

(* sympatisch deshalb, weil sie das Problem erkannt haben und etwas tun wollen!)


COMMENTS / 21 COMMENTS

[...] ihrer Werbeplätze in die Hand nehmen. Dazu bedarf es mehrerer strategischer Schritte die ich als “Projekt DAVID: so setzt man Google in vier Zügen schachmatt” bereits gebloggt und zur Diskussion gestellt [...]

Media-Blog » Archives » Herr Göldi, meinen Sie wirklich mehr Kundenorientierung hilft im Wettbewerb gegen einen Monopolisten? added these pithy words on Oct 03 07 at 15:49

[...] könnte als starke Marke mit loyalen Usern nämlich zum Eingangsportal für das Internet werden – und wie von mir skizziert Google Schachmatt setzen. Denn letztendlich fehlt Facebook für die Monetarisierung sowieso eine Suchmaschine, auf deren [...]

Media-Blog » Archives » Was Microsoft zu Facebook noch fehlt: eine Suchmaschinen- und eine Adsense-Alternative added these pithy words on Oct 26 07 at 12:50

[...] Denn schon heute braucht der Tiger Google nur einmal mit dem Schwanz zu wedeln und eine ganze Branche zittert. Es ist noch nicht zu spät, die von mir vorgeschlagenen vier Schritte zu tun: [...]

Media-Blog » Archives » Quo vadis deutsche Content-Industrie? added these pithy words on Nov 02 07 at 11:56

[...] Google kann man in vier Zügen schachmatt setzen. [...]

Media-Blog » Blog Archive » Warum die dpa Verluste und Google Milliardengewinne macht added these pithy words on Jun 25 08 at 11:18

[...] Nun kommt Google mal wieder allen anderen zuvor – es sei denn auf Verlagsseite wird man endlich wach und setzt Google in vier Zügen Schachmatt. [...]

Media-Blog » Blog Archive » Google arbeitet an gigantischem Online-Zeitungsarchiv added these pithy words on Sep 10 08 at 8:51

[...] Die bisherige klassische und funktionierende Arbeitsteilung in Informationserstellung / Redaktion und Vermarktung / Mediaerlöse bricht im Web für die Verlage zunehmend auseinander, weil sie nicht mehr Herr über ihre Inhalte sind. Wie gesagt: eigentlich müssten die Verlage in der Wertkette bleiben und das machen, was Google macht. Das hatte ich ja schon mehrfach betont und als Anregung ein entsprechendes “Strategiekonzept&#…. [...]

Media-Blog » Blog Archive » Was die Verlagskrise, Entlassungen und das Internet miteinander zu tun haben added these pithy words on Nov 24 08 at 15:14

[...] nochmals zum Mitschreiben für alle nationalen und internationalen Verleger hier nochmals meine 4 Schritte, deren Umsetzung ich gerne professionell begleite und prozentual… beteilige (schliesslich bin [...]

Media-Blog » Blog Archive » „Verleger müssen wie Google denken“ - und handeln: Meine 4 Schritte Google Schachmatt zu setzen added these pithy words on Feb 05 09 at 11:42

[...] Eric Clemons shows a wide variety of way how to make big dollars on the web, although he misinterprets one of the biggest success stories on the web: Google. Google earns more than one billion dollar per quarter, without paying one editor or creating a single line of text. I always pointed out, that traditional publishers have to learn real quickly from Google. The four strategic steps how to defeat Google with its own weapons, I have blogged here (in german). [...]

Media-Blog » Blog Archive » You get more than lousy pennies on the web, Hubert! added these pithy words on Mar 23 09 at 13:17

[...] Apropos Kreativität: Warum kommt Twitter nicht aus Deutschland? Oder ein besseres Twitter, das sofort Geld verdient (ich hab’s in der Schublade)? Oder eine Alternative zu Google, an der nur und nur die Verleger und Autoren verdienen (hier ist es)? [...]

Media-Blog » Blog Archive » Verlage online: gibt es zu “Reichweite statt Gewinn” ein alternatives Zukunftskonzept? Ja! added these pithy words on Sep 16 09 at 11:37

[...] zu ersetzen. Ich hatte als dritte Option nach Google und Microsoft stets vorgeschlagen, daß die Verleger sich in Form einer Verwertungsgemeinschaft bzw. Genossenschaft zusammentun und so unabh…. Den Ausschluß von Google hat ich damals als einen von vier Schritten bereits vorgeschlagen. Nach [...]

Media-Blog » Blog Archive » Microsoft bietet Verlegern Geld, wenn Sie Google aussperren added these pithy words on Nov 23 09 at 12:35

[...] Schade, daß bei der Debatte eine Lösung noch nie thematisiert, die ich schon mehrfach vorgeschlagen hatte: warum setzen sich Burda, Holtzbrinck, G+J und alle anderen Verleger nicht an einen Tisch und schaffen (so wie damals bei der Gründung der dpa) gemeinsam eine Suchmaschinenalternative. Als Mediator stelle ich mich gerne zur Verfügung, das Know-How für die Indexierung ist in Deutschland sicher vorhanden und die einzelnen Schritte hatte ich ja schon mal dargestellt. [...]

Media-Blog » Blog Archive » Die Medienkrise – wer ist schuld: Google oder Verleger wie Murdoch? added these pithy words on Dec 04 09 at 14:17

Ich finde Ihre Ideen sehr gut und, wenn sich viele Verantwortliche einigen könnten auch in der Praxis umsetzbar.
Leider scheitert es an einer ganz einfachen Sache: Die Verantwortlichen haben noch nicht verstanden, um was es geht. Für die ist Google nach wie vor “nur eine Suchmaschine”.

Patrick Schnabel added these pithy words on Sep 28 07 at 13:59

Ihrer Sicht der Dinge stimme ich zu. Es muss uns (und v.a. den grossen Contentanbietern) erst mal klar werden, dass ohne Content Google ein absolutes Nichts wäre. Daher liegt die Macht nicht in den Händen Googles (wie viele fälschlicherweise glauben), sondern in der Hand der Ersteller der Inhalte.
Allerdings hat nur Macht, wer Alternativen hat. Alternativen zu schaffen, das wäre die Aufgabe der Verantwortlichen – und die müssten wie Sie richtig schreiben erst mal ihren eigenen Schatten überspringen. Denn nur in der Gemeinschaft sind die Contentanbieter stark.
Google arbeitet geschickt dagegen, indem er die Anbieter um die besten SERPs und Paid Listings konkurrieren lässt. Dabei bekämpfen die sich gegenseitig, anstatt das eigentliche Problem wie oben geschildert anzugehen und schnellstmöglich zu lösen.

Frank Huber added these pithy words on Sep 28 07 at 14:19

Klasse geschrieben – David und Goliath ;-)
Ich frage mich manchmal, warum gerade in Deutschland Goliath eine solche Marktposition inne hat. Meiner Kenntnis nach ist das in keinem anderen Gebiet der Welt so.

@ Frank Huber:
–nur in einer Gemeinschaft ist man stark –>
Wie soll eine solche Gemeinschaft “halten”, wenn Geld im Endeffekt die Welt regiert .. am Gelde hängt’s, zum Gelde drängt’s …??

Gerd-E. Günther added these pithy words on Oct 25 07 at 16:21

Zur Marktposition: Gut, Google hat es auch in China schwer, siehe http://www.basicthinking.de/blog/2007/09/26/china-baidu-vernichtet-google/
Aber bei 9 Exzellenz-Uni, unzähligen Frauenhofer-Instituten und milliardenschweren Verlagen fragt man sich warum noch KEINER eine Google Alternative geschaffen hat – obwohl riesige Gewinne winken…
Und zur philosophischen Frage: Leider kann man sich von Bits&Bytes nichts abschneiden – also muss es mangels Paradies Geld und damit ein System geben, dass die knappen Ressourcen der Erde verteilt. Mir ist da die reine Marktwirtschaft am liebsten – auch wenn man bei Google schon ans Marktversagen und angesichts des Zustands der Gesellschaft ans “Herzversagen” denken kann. Doch vielleicht ist es auch der Mangel an Chancen und Möglichkeiten, der viele frustriert. Vielleicht kann mein Blog da etwas helfen – und ein paar Chancen und Möglichkeiten aufzeigen, z.B. wie man Google Schachmatt setzt und seinen eigenen Weg geht …

Frank Huber added these pithy words on Oct 25 07 at 16:40

>Aber bei 9 Exzellenz-Uni, unzähligen Frauenhofer-Instituten und milliardenschweren Verlagen fragt man sich warum noch KEINER eine Google Alternative geschaffen hat – obwohl riesige Gewinne winken…

Ja – das muss man sich in der Tat fragen. Sind das alles Deppen, sind die unfähig oder warum macht nicht mal MSN oder Yahoo was dagegen?
Meine persönliche Meinung: Jeder, der sich etwas intensiver mit Google und der IT-Strukturen dahinter (!!!) beschäftigt, lächelt am Ende über den Wunsch, etwas Ähnliches auf die Beine stellen zu wollen. DER Zug ist schon lange abgefahren. Ich bin der festen Überzeugung, dass man nicht einmal mit 2 Mrd. Investitionssumme auch nur annähend so etwas hin bekommt. Nicht umsonst nennt man die geniale Verbindung von Hard- und Software “Googleware”. Wir können uns auch nur wundern, warum Heerscharen von Medizinern keine wirksame Hilfe gegen Aids oder Altzheimer finden. Warum die Mathematiker keine Formel zur Umrechnung eines Kreises in ein Quadrat mit gleichem Flächeninhalt finden oder warum Notebooks noch immer keine einfache Taste für den Beamerbetrieb haben (letzteres als Spaß ;-)

Warum ist “Quaero” gescheitert und still zu Grabe getragen worden? Klar, politische Querelen. Aber auch eine gehörige Portion Realismus, die scheinbar eingetreten ist, nachdem man sich damit beschäftigt hat, was man denn nun alles angehen müsste…

Fazit: Es sieht einfach aus und scheint nur eine Frage von Intelligenz und Geld zu sein. In Wirklichkeit ist es ein zeitlicher (know how) Vorsprung, der auf der aktuellen Technologieschiene nicht mehr zu überholen ist. Meiner Einschätzung nach. Das mag im Hinblick auf “Monopol” frustrieren, aber das hilft uns auch nicht weiter….

Mario Fischer added these pithy words on Oct 29 07 at 12:31

Das “Ende der Geschichte” wurde ja schon von Fukuyama thematisiert – und trotzdem geht die Evolution und v.a. die technologische Innovation weiter. Google kann von daher schon aus logischen Gründen nicht die “letzte Synthese” sein. Es gibt für mich gerade im Bereich Social Search einen Ansatz der durch die Nutzung vieler menschlicher Gehirne viel intelligenter sein wird als jedes “Suchroboternetzwerk” à la Google. Insofern ist das “Monopol” Googles auch nur temporär.
Aber es bedarf durchaus einiger IT-Futuristen und kluger Köpfe (die vielleicht aus Google kommen oder einen intellektuellen Kick suchen), um eine Social Search Engine umzusetzen. Ich hatte ja bereits zu dem Thema Google-Killer und Social Search gebloggt http://blog.firstmedia.de/?p=730 und das Potenzial eines derartigen Universal Matching Tools beschrieben.
Google ist dagegen eine dumme Volltextsuche ohne jegliches Potenzial.

Frank Huber added these pithy words on Oct 29 07 at 12:51

Es fehlt nur etwas: der Benutzer! Google ist so erfolgreich, weil man es besser als jede andere Suchmaschine schafft, die Bedürfnisse der Nutzer zu befriedigen. Und das wiederum dank der Nutzer – nur durch Messung des Nutzerverhalten und -empfehlungen (PageRank) funktioniert die Googlesuche.

Markus von Vagabund added these pithy words on Oct 29 07 at 18:11

Sehr guter Punkt: ich habe schon viele alternativen Suchkonzepte gesehen und muss sagen, dass Google nach wie vor sehr gute Ergebnisse liefert – an deren Qualität sich der Nutzer gewöhnt hat.
Gerade die Volltextsuche kann in vielen Fällen nicht durch eine Social Search-Variante ersetzt werden, sondern muss von jedem alternativen Suchmaschinenanbieter geleistet werden.
Hier kommt auch Prof. Mario Fischers Einwand der enormen Investitionssummen zum Tragen. Mit meinem Konzept könnten die dafür notwendigen Erträge aber über Werbung schrittweise generiert werden. Ein “up-front investment” von mehreren Milliarden wäre so gar nicht notwendig.

Frank Huber added these pithy words on Oct 29 07 at 19:22

Die Umsetzung der Social Search wird schwer aus einem kurz genannten Grund: Warum sollten die Content-Anbieter aus Google aussteigen, insbesondere wenn man erstmal eigene Suchmaschine lange aufbauen muss? Oder noch grober formuliert: Was wird deren Nutzen davon sein?

Isabela added these pithy words on Nov 09 08 at 19:29

Der Nutzen: Milliardengewinne und eine Unabhängigkeit von Google, die wieder zu mehr Wettbewerb führt. Strategisch lohnt es sich also mehr als so mancher denkt und Suchwortvermarktung ist mit über 50% bereits in USA die dominierende Onlinewerbeform. Warum diesen Weg der Refinanzierung nur einem Anbieter überlassen – der zudem sich nicht mal die Arbeit der Redaktion und Contenterstellung macht? Da sieht man mal wie geschickt Google arbeitet – da kann man nur von lernen. Aber das tut leider niemand.

Frank Huber added these pithy words on Nov 09 08 at 20:30

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