Ich hatte gerade eine nettes Telefongespräch mit einer PR-Agentur, die mich dazu inspirierte darüber nachzudenken, wie (m)eine PR-Agentur aussehen und arbeiten sollte. Denn die klassische Arbeitsweise vieler Agenturen ist meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß und wenig zielführendVielleicht muss also ein anderer Ansatz her – eine kleine Anregung möchte ich mit einer bewußt eher satirisch angelegten “PR-Story” liefern. Die Story beschreibt eine Arbeitswoche von Dex Textor (bekannt durch sein Standardwerk “Sag’ es treffender!”), dem sagenhaften PR-Guru des Web 2.0: “Meine Bewerbung wurde aus Hunderten von Bewerbungen herausgefischt, weil sie so genial wie einfach war. Ich hatte einfach ein nicht existentes Produkt frei erfunden und im Web darüber gebloggt. Dadurch schaffte ich es bis ins Fernsehen und auf die Seite 1 internationaler Tageszeitungen.Inspiriert hatte mich der kühne Entwurf eines Haus in Form eines bekannten Fashion Labels, das einem jungen Designer viel Aufmerksamkeit und jede Menge Aufträge gebracht hatte.Doch zurück zum Thema. Was geschieht an meinem ersten Arbeitstag?Neue Besen kehren bekanntlich gut: als PR-Manager würde ich jeden Tag erst mal alle Mitarbeiter reporten lassen wie der Pagerank der Kunden ist, und wieviel Links sie heute gemacht haben. Denn nur so kann ich objektiv einen ersten Eindruck der Leistung und des Erfolgs meiner Mitarbeiter messen.Nach jedem Wochenende würde ich dann den jungen Praktikanten antraben lassen, um ihm nach dem Erfolg des Startup Weekends und nach den erreichten Sponsorenkontakten zu befragen. Aha, alles gut gelaufen – jede Menge neuer Aufträge in Sicht. Junior PR Manager Müller wird natürlich auch gleich zu Wochenbeginn nach den wichtigsten Ergebnissen des Webmontags in Köln gefragt. “Haben Sie den Basic wenigstens anständig zum Essen eingeladen?” Spesen unter 200 Euro darf er dann gleich mal selbst bezahlen. Denn Basic ist schließlich Deutschland meistverlinkter Blogger.Bleibt nur ein kleines Problem vor Wochenmitte noch zu lösen: unsere Kernmannschaft, die blonden PR-Sussis, werde ich alle erst mal in den Internetkurs schicken müssen. “Die machen erst mal den Internetführerschein”, so meine Ansage. “Und wer bei Facebook, MySpace, StudiVZ oder so nicht in den nächsten 2 Wochen mindestens 100 Freunde hat, der fliegt! XING zählt übrigens doppelt …”Weiter geht’s am Mittwoch direkt rauf zum Vorstand. “So, jetzt bloggen wir mal richtig drauflos, dass muss sitzen”, Schwupps die Wupps schon stehen die knackigen Blogposts vom Chef im Web. Natürlich bloggt das ganze Haus – wie bei Frosta. Der ganze Orgchart ist da präsent – und wehe es drückt sich einer.Donnerstags muss ich auf den Flieger – schnell zum Kunden, der will seine neue PR- und Kommunikationsstrategie präsentiert bekommen. Kein Thema – den klassischen Pressemitteilungssermon vom Vorgänger habe ich direkt gelöscht und meine eigene PR 2.0-Strategie ausgearbeitet.Die löst natürlich beim Kunden großes Staunen aus: Was Sie verschicken keine Faxe mehr mit unseren Pressemitteilungen? Warum sollen wir Blogger zu Presseevents einladen? Und was hat Google damit zu tun? Nach 45 Minuten ist wieder alles im Lot und der Kunde begeistert.Dreh- und Angelpunkt ist natürlich das Leitmedium Internet. Die PR-Messages werden Web 2.0 und Blogger-gerecht aufbereitet – dämliche Standardtexte sind sowieso passé. “Durch virale Effekte erreichen wir den Leser viel kostengünstiger – und erhalten wichtiges Feedback zu den Produkten und dem Image des Unternehmens.”Grafisch aufbereitet erhält der Kunde (auf Wunsch täglich) eine Linkclusteranalyse mit quantitativer und qualitativer Auswertungskomponente. Denn Traffic ist nicht gleich Traffic. All’ das wird berücksichtigt und im Rahmen eines PR-Scores objektiv überprüfbar gemacht.”So wird’s gemacht!” – und schon bin ich wieder Weg auf dem Weg zum Flughafen. Schnell noch unterwegs Mails, Reports und Scores gecheckt und dann nochmal rasch ins Büro. Die Unterschriftenmappe mit den Neueinstellungen wartet, ich muss noch zehn neue Ideen notieren und der nächste Online-PR-Coup will gut vorbereitet sein.Freitags laufen dafür die Vorbereitungen – die ganze Firma fiebert mit. Die Mail-Server und Telefonleitungen glühen – nichts wird dem Zufall überlassen. Content wird aufbereitet, Fotos gemacht und die wichtigsten Blogger mit Vorabinfos versorgt.Denn Montag heisst es wieder:PR ist wenn man darüber spricht, gute PR ist wenn man darüber bloggt und das Unternehmen verlinkt. Die beste PR aber sorgt für einen hohen Pagerank und qualifizierten Traffic.”
- BROWSE / IN TIMELINE
- « Was bringt nachhaltig Traffic: Google Pagerank-Optimierung, Content oder Media-Schaltungen?
- » Combots hochgejubeltes Kommunikationstool gefloppt
- BROWSE / IN PR 2.0
- » Social Computing Guidelines – Regelungen zur Mitarbeiterkommunikation in der Praxis
COMMENTS / ONE COMMENT
Media-Blog » Archives » Blog-Re-Monitoring - oder wer das hier so alles liest … added these pithy words on Oct 09 07 at 18:41[...] Das gibt dann ganz nette Telefonate in denen ich dann meine Sicht der PR im Web 2.0 erläutere – und nette Posts, wie meine PR 2.0-Agentur aussehen würde. [...]
SPEAK / ADD YOUR COMMENT
Comments are moderated.


Recent Comments