Bei Thomas Vehmeier, dessen Blog nun glücklicherweise wieder erreichbar ist, bin ich auf einen interessanten Post (der mir von meinem Post zur innovationsfeindlichen Massenträgheit von Links inspiriert scheint) sowie einen um so interessanteren Kommentar von Willi Schroll gestossen.
Ich finde er hat es verdient aufgrund seiner pointierten Formulierung nicht in den Tiefen der Kommentarlisten zu verkümmern und diskutiert zu werden.
Es geht um Google und die Bedeutung des Suchmaschinenbetreibers für den Online Media Bereich:
“Liebe Leute, vergesst die Google-Legende.
Was auch immer einmal Google war und wollte – Fakt ist, dass Google heute nicht weniger als eine Art monopolistisches “Imperium der globalen Informationsversorgung”.
Andere Metapher: Google ist die Welt-Bank der Erreichbarkeit. Der Google-Mythos sagt: “Wir liefern Information.” Dumm ist nur, dass Google das eigene Geschäftsmodell unterminieren würde, wenn Google-Search selbst immer exakt die gewünschte Info liefern würde.
Der User, der NICHT die Info im organischen Listing findet ist der gute User according to Google, da er dann mit höherer Wahrscheinlichkeit auf die Adwords ausweicht. Und nur im letzteren Fall, mit diesem “Side-Click” verdient Google seine Cents. Das läppert sich: Sie haben die Company zur teuersten Marke der Welt gemacht.
Ergo: Das Ziel Suchqualität ist relativ und ordnet sich natürlich dem Adwords-Umsatz unter. Will sagen: Google hält die Suchergebnisqualität auf einem ganz guten Niveau, damit der kollektive Revisit zu 100% passiert, aber dieser “Google-Reflex” wäre nutzlos, wenn die unbezahlten “organischen” Listings die User befriedigen würden.
Der genannte Senioritätsfaktor wiederum ist die optimale Strategie, um alle Anbieter zu Adwords-Kunden zu machen.
Denn aus deren Sicht ist es objektiv so, dass “man sonst nicht drin ist” – außer man hat ganz viel Zeit – s.o.
Perfektioniert wird die Geschichte noch dadurch, dass Google alle Website-Betreiber auf der ganzen Welt quasi für sich arbeiten lässt. Diese sind nicht nur in einem permanenten Wettbewerb um die Adwords-Rankings (”Die Bank gewinnt.”). Sie liefern auch die hochwertige Relevanzinformationen an Google, indem sie auf ihrer Website oder ihrem Blog “relevante Links” listen. Freilich ist Google nicht vorzuwerfen das geniale Linkpopularity-Prinzip implementiert zu haben. Nur die Adwords-Einnahmen fließen irgendwie sturzbachartig in die falsche Richtung …
Ja, Google ist vielleicht schon mehr als eine Bank, strukturell erinnern die Geldströme aus dem Adwords-System an unausweichliche Maut- oder Steuereinnahmen. In dem Fall hätten wir es dann mit einer Art Staatsmacht zu tun
“
Schon interessant diese “Verschwörungstheorie” – und v.a. falls ein Mechanismus in dieser Richtung existent sein sollte, sehr ertragreich. Für den User ist die Qualität der Suchergebnisse mangels Mitbewerber sowieso kaum noch im direkten Vergleich beurteilbar.
Des Kaisers neue Suchkleider scheinen aber v.a. die Werbekunden teuer zu stehen zu kommen. Auch dort gibt es immer weniger Alternativen. Alles in allem keine besonders tolle Situation – aber da hatte ich ja immer wieder drauf hingewiesen …
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Future of the Web: Google’s market dominance a case for regulation? « future facts blog added these pithy words on Jul 13 09 at 18:47[...] The post of 2007 is only in German, sorry: Media-Blog » Blog Archive » Google – eine Welt-Bank der Erreichbarkeit … http://blog.firstmedia.de/?p=799 [...]
Willi Schroll added these pithy words on Sep 16 07 at 10:46Erstmal vielen Dank für die Ehre aus der “Kommantar-Ebene” in die “Posting-Ebene” gehoben worden zu sein.
Der Kommentar auf http://www.vehmeier.com/blog/?p=281 sollte nur aus ein zwei, drei Sätzen bestehen, aber manchmal gibt Eines das Andere und die Gedanken zu Google nahmen ihren Lauf …
Am Ende wurde mir klar, dass das Prinzip “Die Bank gewinnt immer.” bei Google sogar noch zu kurz greift. Da die Reichweite von Google so extrem hoch ist, kann man schon sagen, Google ist “immer bei uns” sobald wir das Internet nutzen. So ein feinverästelstes Google-Layer durch das ganze Netz ist als solches nicht schlimm. Nur wenn Google aus dem Geschäftsmodell heraus kein Interesse hat die Qualität seiner organic listings (unbezahlte Suchergebnisse) zu maximieren, dann wird es bedenkenswert, ob Google (die teuerste Marke der Welt, die wertvollste Company der Welt) nicht im Eigeninteresse seine Algorithmen wieder ein wenig herunter-tunet.
Denn nur so kommen die Paid-Clicks zustande. Mit welchen Google täglich seinen millionenschweren Umsatz macht.
Das wäre dann keine Verschwörungstheorie, sondern einfach die Logik des Geschäftsmodells. Sich dabei gleichbleibend als der Wohltäter der Menschheit darstellen (free services ohne Ende) und als die “beste Suchmaschine der Welt” schliesst das nicht aus. Vielmehr wäre das im Sinne des Brand Management die optimale Strategie.
Also: In so einem Verhalten sehe ich keine Verschwörung i.e.S. Wobei es eine gute Frage ist, wo die anfängt. Sicher nicht schon da, wo ein Faktum schlecht für die PR ist und “geheimgehalten” wird. Die Algorithmen von Google sind eh Verschlusssache. Keinesfalls behaupte ich, dass es sich so und so verhält bzgl Down-Tuning, sondern nur dass es so sein könnte und wir trotzdem davon nichts wüssten (bis jemand “auspackt”).
Falls jemand dem Nachgehen will (ich hab keine Zeit) und damit das Kind einen Namen hat: Nennen wir meine einfältige Theorie die “Down-Tuning-Theorie”. Ich habe auf Google (!) mit /”down tuning” google fraud/ nichts gefunden, aber es gibt ja eine Menge Anti-Google- und Google-Watch-Seiten …
Punkt 2:
Als aufgeweckter Bürger kann ich mir nebenbei schon ernsthafte Gedanken machen, wenn soviel klar ist:A) Google ist die mächtigste datensammelnde und wissensverarbeitende Struktur der Welt (ok, auf kommerziellem Sektor – NSA etc. bringen vielleicht mehr TeraFLOPS/day)
B) Googles Macht wächst täglich weiter (die Kasse ist voll)
C) Das Image von Google in Puncto Harmlosigkeit dabei etwa dem von Ronald McDonald entspricht
D) Jeder Durchschnittsnutzer des Web veranlasst täglich dass x cent an Google laufen (per Paid Clicks) (weiss jemand wieviel? Dreisatz-Rechnung!) – was ein klein wenig an eine Art Internet-Maut erinnern könnte. Nur dass eben der zahlt der die Adwords/Adsense schaltet. Das ist auch keine Verschwörung nur eine argwöhnische Metapher. Google ist auch noch kein Staat im Staat oder so …“Google – eine Welt-Bank der Erreichbarkeit und Imperium der globalen Informationsversorgung?”
Ja, unstrittig! Such dir irgendwelche objektiven Key Parameter aus – du wirst keine Instanz finden, die größer als Google ist. Mal schauen, was passiert, wenn Google auch noch richtig in die Welt der Finanztransaktionen einsteigt …
Frank Huber added these pithy words on Sep 18 07 at 10:59Bin mit allem einverstanden. Nur was lernen Sie und Ihre Beratungskunden daraus? Meines Erachtens folgendes: Google ist wie ein Naturgesetz, man muss es kennen, um im Internet als Bezugssystem nicht “unter die Räder zu kommen”.
Ich kenne z.B. Unternehmen, die massiv von Google profitieren, d.h. nicht alles und jeder ist Opfer. Aber zugegeben: wer heute kein SEO macht oder bei Google wirbt, kriegt kaum neuen Traffic – es sein denn er kennt die Prinzipien des Web 2.0.
Meines Erachtens der einzige Weg “organischen Traffic” zu generieren.
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