Wenn man sich mal ansieht wie sich Blogger miteinander vernetzen, dann kann einem schnell der Gedanke kommen: das Internet informiert sich selbst – und die klassischen Massenmedien bleiben aussen vor. Oder schreiben ab. Oder publizieren Negatives über das Internet.
Auf jeden Fall ist das Verhältnis von Internet und klassischen Massenmedien ein gespanntes Verhältnis. Ist ja auch klar: das Internet ist der junge, globale, stets aktuelle Rivale, den alle lieben. Da kann schon Neid aufkommen.
Doch vielleicht liegt es ja auch an den klassischen Massenmedien selbst, dass sie so ein Mauerblümchendasein besonders bei den jungen Rezipienten fristen und ihnen der Generationen- und damit der Legitimationsabriss droht.
Wenn ich mir meine lokale Tageszeitung ansehe, der Mantelteil zu 90% aus Agenturmeldungen zusammengestückelt, der Kulturteil dort eingeheftet wo die FAZ ihn platziert (sonst wenig erwähnenswert, da hochgeschraubtes Geplapper von Provinzkritikern), dann ein Wirtschaftsteil der dünner als dünn ist und dafür viel Lokales (was mich nur am Samstag interessiert), dann weiss ich dass man damit niemand hinter dem Ofen vorlocken kann.
Aber ich weiss natürlich auch, dass man damit immer noch Dank Sterbeanzeigen, lokaler Annoncen, Immobilien-Kleinanzeigen sowie Stellenanzeigen und überteuerter Handelsregisterveröffentlichungen eine Menge Geld verdienen kann.
Ich betone “noch” – denn im Internet findet man 75% dieser Infos auch – nur eben kostenlos und aktueller.
Und daher kommt besonders für lokale und überregionale Tageszeitungen, für Fernsehsender wie das ZDF und teilweise auch das Radio das Problem: das Internet ist ihr liebster Feind.
Als Recherchequelle gerne genutzt – als Konkurrent um den Leser gehasst. Und dazu auch noch wenig verstanden.
Denn das Internet ist dabei, nicht nur die Daten-/bzw. Informationshoheit, sondern auch die Meinungsführerschaft und die Deutungshoheit zu übernehmen. Ein Trend, der so manchem verschlafenem klassischem Massenmedium über kurz oder lang schwer zu schaffen machen wird.
Vor allem auch weil das Web die Ansprüche und das Verhalten der Rezipienten bereits heute massiv prägt: Partizipation und Kommunikation sind ein Must. Musikantenstadl und Zwangsberieselung (dank Gebühren-Goldesel) würden als eigenständige Angebote keine zwei Minuten überleben, geschweige denn ihr Geld als Profit-Center verdienen.
Die ARD / Das Erste versucht zwar z.B. durch eine technologische Offensive mit IPTV, Mobile TV / DMB, SD-TV, etc. “up to date” zu sein – ich bin aber vor allem gespannt, was da noch inhaltlich an Innovationen kommt und wie man da dem Netz Paroli bieten will.
Denn hier wird sich entscheiden, ob sich z.B. die Informationskompetenz der Öffentlich-Rechtlichen, auch unter Zuhilfenahme modernster Technologien (wie z.B. der 100 Sekunden-Tagesschau fürs Handy), im Web und damit im globalen Wettbewerb behaupten kann.
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