Axel Schmiegelow, Geschäftsführer von Sevenload, hat sich Gedanken zum Thema “Reichweite oder Geld verdienen?” gemacht. Sein interessanter privater Blogpost zum Thema stellt auf das Thema “Business Model und VC-Strategie” ab.
Das kann man nur zu gut nachvollziehen – denn unendlich kann niemand von VC Geld leben und v.a. wird ja ein Firmenwert stets durch die Gewinne eines Unternehmens erst nachhaltig geschaffen.
Doch es gibt zwei wichtige Einwände, die in der Realität genau das Gegenteil von Schmiegelows Ansichten belegen:
1. Reichweite und nicht Erträge haben bei der Bewertung von Youtube eine enorme Rolle gespielt. Das Internet ist ein Massenmedium mit Gummikanälen und -regalen, wobei der User und dessen Zeit/ Aufmerksamkeit das knappe Gut ist. Strategische Investoren wissen dass und besetzen daher Märkte, bevor andere es tun. Die “Belohnung” gibt es später – Google exerziert das gerade mit Youtube Mediaschaltungen vor.
2. Wenn Schmiegelow so sehr an die Monetarisierung vor Reichweite-Strategie glaubt, dann müsste er bei Sevenload diese Strategie ja auch verfolgen. Davon, dass User dort was bezahlen, sehe ich nichts – ein neues Geschäftsmodell kann ich in Bezug auf Endnutzer nicht erkennen. Bleibt also der “Youtube way” und Reichweite um jeden Preis – mit entsprechender Monetarisierung durch Mediaverkäufe.
Mein Fazit: ich stimme Schmiegelows folgenden, sehr klar aufgebauten, taktischen Ratschlägen zu:
“1) Define your Business Model
2) Prove it by acquiring your reference customer base
3) Identify the growth factors in your business model with respect to paying customers
4) Identify the multipliers or incumbents in other international markets
5) Internationalize on a sales / business model driven basis by acquiring reference paying customers in those markets”
Aber strategisch halte ich sie nicht für zielführend.
Hier zählt meines Erachtens in den zu natürlichen Monopolen neigenden Märkten für Netzwerkgüter nur eines: “size matters.” Oder man fährt eine Nischenstrategie – doch die kann es m.E. für Sevenload nicht sein.
P.S.: Der Kampf um die “video eyeballs” in Deutschland wird noch sehr spannend – Marktführer MyVideo, Youtube (D), Clipfish und last but not least der Fotocommunity-Ableger Videocommunity werden sich noch einen erbitterten Kampf um den User liefern – begleitet von enormem Konsolidierungsdruck in der Branche …
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Monetization or Reach - Discussion [German] at Axel Schmiegelow added these pithy words on Aug 24 07 at 19:47[...] http://blog.firstmedia.de/?p=763 [...]
Discussion: Monetization or Reach [English] at Axel Schmiegelow added these pithy words on Aug 28 07 at 19:35[...] http://blog.firstmedia.de/?p=763 (in German) [...]
Media-Blog » Archives » Unterliegen Social Networks Moden? Und was man dagegen tun kann … added these pithy words on Aug 31 07 at 10:34[...] spannend ist dabei auch die Suche nach dem richtigen und aktuellen Geschäftsmodell – Reichweite oder Umsatz wurden als Ziele ja schon diskutiert. Schaut man über den großen Teich, dann führt momentan “Reichweite” als Ziel und [...]
Media-Blog » Blog Archive » Youtube: 470 Millionen Dollar Verlust - Werbekunden sollen Videoplattform retten added these pithy words on Jun 09 09 at 10:47[...] Die spannende Diskussion zu “Monetarisierung vs. Reichweite” lässt sich hier verfolgen. [...]
Axel Schmiegelow added these pithy words on Aug 24 07 at 19:42Danke für den Comment zu meinem Post. Inhaltlich habe ich folgende Antworten:
1) Es ist zweifellos richtig, dass für den “natürlichen Marktführer”, der als erster auf Reichweite setzt, das Spiel aufgehen kann. Auf den Fall YouTube gehe ich ja selbst in meinem Post ein. Ich warne nur davor, die Transaktion von YouTube, die tatsächlich ex post durch die Marktmacht von Google zu einem sinnvollen Investment noch werden kann, als replizierbare Strategie zu beschreiben. Es gibt immer weltweit oder www-weit genau ein Unternehmen pro segment, dem dies als Exit gelingt. Hardly good general advice for startups.
Mein Argument war ja auch nicht, dass Reichweite oder die Anzahl an Nutzern oder Kunden, die man gewinnt, unerheblich sind – im Gegenteil. Ich denke nur, das es gesünder ist, diese Reichweite oder Kundenbasis mit einerm funktionierenden Business Modell zu erreichen als ohne. Ein gutes Beispiel Dafür ist übrigens XING. Lars hat schon am ersten Tag in 2003 5,- € monatliche Mitgliedschaftsgebühr verlangt, als Abo-Modelle noch in verruf waren.
2) Unsere Strategie bei sevenload ist genau nicht die einer Brutto-Reichweitensteigerung um jeden Preis. Wir verfolgen den Ansatz, aus rein organischem Wachstum (bislang nicht ein € für Werbung) die am besten differenzierte Plattform zu bieten und den “Long Tail” of content abzudecken. Dies führt dazu, dass wir für Werbekunden um einen Faktor 10 wertvoller sind als alle anderen videoportale und sogar als die meisten herkömmlichen Internet-Portale – gemessen an unseren Werbepreisen. Mit dieser Differenzierung sind wir heute
Marktführer nach Unique Visitors (> 10 Mio echte Uniques pro Monat), aktiven registrierten Nutzern (> 300.000), Verweildauern (> 25 Min pro visit, bei registrierten Nutzern > 45 Min), Content-Menge und Einnahmen (wir werden das umsatzstärkste Web 2.0 Unternehmen in Deutschland in diesem Jahr und voraussichtlich das einzige, das profitabel ist. Wir erreichen dies durch ein Werbemodell, das überdurchschnittlich wirksam ist.Interessanterweise hat diese Strategie zu einer nachhaltigen Steigerung unserer Brutto-Reichweite geführt, so dass wir inzwischen Platz zwei der deutschen Plattformen noch vor Clipfish belegen.
Ich würde also wagen zu behaupten, dass im Gegensatz zu dem Eindruck, den wir zumindest hier zu erwecken scheinen, der Lehrsatz von Al Ries:
Create a new category, then dominate it
immer noch der beste Rat ist. Mein Post sollte einen kleinen Beitrag zu einer Methode hierzu leisten.
Frank Huber added these pithy words on Aug 27 07 at 9:29Wir erreichen dies durch ein Werbemodell, das überdurchschnittlich wirksam ist. Gibt es dazu nähere Infos?
Axel Schmiegelow added these pithy words on Aug 27 07 at 17:47Wir kombinieren
- die Differenzierung von Zuschauergruppen am “Long Tail”
- behavioural targetting auf basis unserer Player
- Tag/User Cluster, die über Zeit die Relevanz für den Nutzer optimieren, so dass er immer weniger unerwünschte Werbung sieht
- Nutzen orientierte Werbeformate, die standardisierte Werbeformen vermeidenDas erzeugt Relevanz für den Nutzer und besser qualifizierte Reichweiten und conversion rates für den Werbekunden.
Frank Huber added these pithy words on Aug 27 07 at 17:55Das liest sicher auch gerne Youtube mit – denn o.g. Optimierungen machen ja für alle Anbieter unabhängig von der o.g. Diskussion als Mediastrategie Sinn.
Danke für die Infos übrigens …
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