Rod Beckströms Buch “The Starfish and the Spider: The Unstoppable Power of Leaderless Organizations” ist für mich eine absolute Pflichtlektüre für alle, die im Web neue Anwendungen konzipieren und realisieren.

Dezentralisierung vs. Zentralisierung – in diesem Dilemma stecken so gut wie alle Anbieter von Informationsgütern. Die Dezentralisierung bedroht durch Entwicklungen wie P2P, User generated content, etc. die Profite vieler Anbieter.

Dezentrale Organisationen und zentrale Organisationen werden von Rod Beckström mit Spinnen und Seesternen verglichen. Köpft man Spinne eine Spinne, dann stirbt sie. Entfernt man einem Seestern ein Bein, wächst ein neues nach – wenn man ihn zerteilt, entstehen zwei voll lebensfähige, neue Seesterne.

Dezentrale Organisationen haben einen entscheidenden Vorteil: sie sind flexibler, haben keine Zentrale und sie können sich immer wieder replizieren.

Ein gutes Beispiel sind File-Sharing-Dienste, die wie Seesterne funktionieren: Wer P2P und z.B. eMule bekämpfen will, ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt – man kann bekanntermaßen niemanden von der Nutzung abhalten und es gibt keine zentralen Server, die man als Musiklabel verklagen und lahmlegen könnte.

Das Business für Informationsgüter ist dabei v.a. betroffen: es tendiert zur Dezentralisierung. Ich beschreibe das immer so: wenn der digitale Geist einmal aus der Flasche ist, dann kann man ihn nicht mehr einfangen.
Wer z.B. mit Craigslist konkurrieren will, um sein Kleinanzeigengeschäft zu retten, hat verloren. Und wer mit Wikipedia als Enzyklopädie konkurrieren will, der hat auch verloren.

Ergo: Die Marktwirtschaft 2.0 basiert auf ganz neuen ökonomischen Gesetzen und erfordert ein vollkommen neues Denken und vollkommen neue Strategieansätze (”Unlearn as fast as you can.”).

Das Problem für alle etablierten Anbieter ist: as industries become decentralized, overall profits decrease. Die Finanzierung der Inhalte wird zum Schlüsselproblem – ein Grund für viele (und m.E. die cleverste Reaktion), aus der Contentproduktion ganz auszusteigen.

Doch es gibt auch einen anderen Weg: den der hybriden Organisation. Diese Combo Special verbindet das Beste beider Welten und bindet die Kräfte dezentraler Organisation in eine zentral gemanagte Infrastruktur ein.

Und man kann direkt gegen die Dezentralisierung vorgehen. Die Musikindustrie hat sich bereits erfolgreich zur Wehr gesetzt. Wie sagt Rod Beckström auf Fox News: “More special operations.”

Und die dezentral agierenden Apachen, die sich jahrhundertelang gegen Spanier und Mexikaner verteidigt haben wurden mit einem einfachem Trick vollkommen unblutig Opfer der Amerikaner.

Es gibt also immer einen Ausweg und eine der Situation angepasste Strategie, man muss nur flexibel und kreativ genug im Denken sein. Ich kenne Web 2.0-Player, die voll die Kraft der Web 2.0-Welle genutzt haben und mit ihrer Seestern- oder Combo-Strategie sehr viel und sehr schnell (Wiki, Wiki, …) Erfolg hatten.

Übrigens ein spannendes Workshop-Thema …


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Die Bedrohung Piraterie, User-generated content und das Web 2.0 meistern

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