“Endangered species” – so nennen die Amerikaner bedrohte Tierarten. Die gibt es im Social Media Ecosystem zu Hauf. Eine Liste der durch das Web 2.0 bedrohten Unternehmen umfaßt eine ganze Reihe von Firmen, die von den Grundprinzipien des “participation age” in ihrer Existenz bedroht werden.
Ich unterstelle dabei, daß die genannten Unternehmen ihre bisherige Strategie nicht ändern, zu träge sind oder aufgrund interner Faktoren (wie z.B. interne Bürokratie) nicht flexibel genug sind. Denn das Web 2.0 schafft im Medien- und Mediabereich einen ungeheuren Anpassungsbedarf.
Die Liste der durch das Web 2.0 bedrohten Unternehmen liest sich wie folgt:
- Content-Anbieter (v.a. Verleger und Medienhäuser): sie stehen aufgrund der “Flüchtigkeit” ihrer digitalen Inhalte ganz oben auf der Liste. Content is king – das stimmt zwar immer noch, aber nur um damit Ziele wie z.B. Umsatz und Erträge zu erreichen.
- Klassische Werbeagenturen: Kreativ-Agenturen, die nur das widergeben, was ein bis zwei Top-Kreative unter dem Einsatz branchenbekannter Leistungsförderer produzieren, sind tot. Heute bestimmt der User was kreativ ist. “User-generated media” heisst das Gebot der Stunde.
- TV-Sender: Jugendliche gestalten heute ihr TV-Programm durch den Austausch von YouTube-Links – der Fernsehapparat verstaubt. Auf Schulhöfen werden mittels Foto-/Videohandys die neuesten Clips getauscht. Mobiles Video ist “in”.
- TV-Produzenten: die Reality-Formate (Stichwort: begleitende Beobachtung) produzieren die Anwender bald selbst. TV-Produzenten müssen sich neue Formate einfallen lassen: Webisodes und Videoblogs sind dafür Beispiele. Standard-Konzepte, die den User nicht miteinbeziehen, sind von gestern und will niemand mehr sehen.
- Media-Agenturen: Media-Agenturen, die auf Werbedruck und Banner / TKP-Modelle setzen, sollten sich schnellstens neu orientieren. Performance Marketing und Behavioural Targeting sind gefragt, dazu kommt virale PR. Firmen wie Nugg.ad, Wunderloop, Special Key und Jaron Direct werden davon profitieren. Die Zeiten klassischer Vermarkter sind vorbei – heute zählt intelligente Zielgruppenansprache, nicht die Höhe der gebuchten PI/Clicks.
Das Web 2.0 bedroht nicht nur Unternehmen, sondern schafft (wie man sieht) auch ganz neue Geschäftsfelder. Die sollte so mancher schnell erfassen, in seinen nächsten Reorg- oder Expansionsplan aufnehmen und vor allem a.s.a.p umsetzen.
Denn wie sagte Michael Gorbatschov so bezeichnend:
“You may be brilliant.
You may be powerful.
But when you are locked into an obsolete system, you are history.”
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COMMENTS / 6 COMMENTS
quergelesen: Die Presseschau (Wo. 9) - denQuer - Das Mediennetzwerk fuer kreative Medientalente added these pithy words on Feb 28 07 at 9:02[...] Media-Blog schreibt über Unternehmungen, die durch das Web 2.0 in Zukunft bedroht werden. Auch wenn [...]
Mitch added these pithy words on Feb 26 07 at 15:02Ich habe da eine andere Meinung. Zum Beispiel wird sich das TV darauf konzentrieren müssen qualitativ hochwertige Unterhaltung zu produzieren. Das kann kein Youtube ersetzen. Ich zweifele sowieso an Youtube. Das ist sehr nett, um sich mal paar witzige Clips oder kurze Infos anzusehen, aber wer sich entspannen oder stundenlang unterhalten werden will wird zum Fernsehen greifen.
Und – Zitat:
»Content is king – das stimmt zwar immer noch, aber nur um damit Ziele wie z.B. Umsatz und Erträge zu erreichen.«
Wovon leben deiner Meinung nach heutige Medienunternehmen? Von der Liebe ihrer Kunden? Heute ist Content King, morgen auch. Qualitativ gleichmäßig hohen Content können Redaktionen bieten und nicht ein »Ein-Mann-Blog«Vor allem regionale Märtke werden noch sehr lange in der Hand der traditionellen Unternehmen bleiben (Tageszeitungen)
Frank Huber added these pithy words on Feb 26 07 at 16:45Qualitativ hochwertige Unterhaltung können auch WebTV-Produzenten anbieten – das geht im Web sogar besser, da man keine Sendeanstalt braucht.
Die Masse der Medienunternehmen lebt gut von der Werbung und den Kioskverkäufen/Abos. Doch das ändert sich. Die Auflagen fast aller Print-Produkte sinken (s. IVW) und den Tageszeitungen laufen besonders die jungen Leser scharenweise davon.
Ich bin stets für Redaktionen und Fachleute – nur wer wird sie in Zukunft bezahlen? Der lokale Journalist wird immer aufgrund des Gebietsmonopols gebraucht – nur was tun wenn im überregionalen Bereich und im Bereich special interest Bürgerjournalisten zu Probloggern werden und so z.B. der Fachpresse das Leben schwer machen.
Da kommt einiges auf die Verleger zu – und da wackeln einige Stühle.
Ich finde das per se auch nicht gut, aber der Trend ist nicht aufzuhalten. Es kommt drauf an was man draus macht – daher bin ich schon lange für neue Entlohnungsmechanismen und Business Models, die gerade die Qualitätsmedien schützen und neue Ansätze ermöglichen.
Dabei geht es um ein aktives Management des Wandels.
Anton added these pithy words on Aug 11 07 at 14:05Hallo! Wie schon bereits angedeutet vertrete ich auch die Meinung: ist eine Firma nicht bereit, sich auf ein wechselndes User-Verhalten anzupassen, stirbt sie eben. Manche Firmen sterben schneller, manche langsamer. Dafür entstehen aber durch die neuen Lücken wiederum kleine, flexible Unternehmen. Diese können durch ihre Anpassungsfähigkeit schnell Marktanteile erobern. Für mich gilt immer noch der alte Spruch: des einen Freud – des anderen Leid.
Axel added these pithy words on Nov 30 07 at 16:41Wer sich in der heutigen Zeit nict anpassen kann wird zwangsläufug untergehen. Nur wer flexibel ist und sich der wandelnden Umgebung anpsst wird hier überleben. Z.B. frage ich mich wer heute noch Video-Kassetten benutzt
.
Ralf added these pithy words on Jan 05 10 at 3:13Mit Web 2.0 hätte ich ehrlich gesagt auch nicht gerechnet. Vor allem nicht in dieser Intention und auch nicht, dass es einen langen neuen anhaltenden Trend gibt. Twitter und Co. sind die Gewinner. Für den kleinen Webseitenbetreiber eine weitere Chance, warm anziehen müssen sich vor allem die großen Redaktionellen Portale wie Spiegel, Focus, etc. Wobei diese immerhin schon die Möglichkeit einräumen, dass User Kommentare abgeben können. Bleibt spannend abzuwarten wie stark sich das ganze weiterentwickelt!
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