Das NDR-Medienmagazin ZAPP hat unter dem Titel “Neue Konkurrenz – Wie das Web 2.0 den Journalismus verändert” untersucht, welche Zukunft der Beruf des Journalisten hat. Dabei steht eines fest: die durch das Web 2.0 ausgelöste heimliche Medienrevolution (Stichwort: Bürgerjournalismus) stellt eine ernsthafte Bedrohung für qualitativ hochwertige Inhalte und deren klassischen “Produzenten” dar.
Die durch das Web 2.0 geschaffene Konkurrenz führt zu einer Reihe von Problemen …
Norbert Bolz, Professor für Kommunikationswissenschaften beschreibt das Problem “Authentizität vs. Objektivität” im ZAPP-Beitrag wie folgt:
“Das ist für mich eigentlich die spannendste Frage, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass der klassische Journalismus sich am Leben halten kann, ohne sich fundamental zu verändern. Einfach deshalb, weil die Erwartung an den klassischen Journalismus, nämlich objektive Berichterstattung, gar nicht mehr das Zentrum des Bedürfnisses gerade der Jugendlichen trifft. Was sie wollen ist gar nicht Objektivität, sondern Authentizität.”
Blogs seien zudem “rein subjektive Stellungnahmen zur Welt”, die verstärkt das Interesse vieler anderer wecken. Ariana Huffington (”The Huffington Post”) bei ZAPP hierzu:
“Es handelt sich hier um die Wiedergeburt der Nachrichten, wenn Sie so wollen. Die Leser und Beobachter von Nachrichten sind nicht länger die altmodischen Konsumenten. Heute wollen sie teilhaben, ihre eigene Titelseiten entwerfen, ihr eigener Herausgeber und Rechercheur sein.”
Doch die Laien sind nicht nur im Newstexte-Bereich auf dem Vormarsch, sondern erodieren auch den Foto-Bereich – Flickr hat es vorgemacht, viele andere Sites machen es nach. So sind Fotografen-Netzwerke von gigantischem Ausmaß entstanden. Caterina Fake (Flickr-Gründerin) in ZAPP hierzu:
“.. ich glaube, dass Fotoagenturen und Profi-Fotografen in Zukunft wahrscheinlich bedroht werden von der Flut von Hunderten und Tausenden von Amateuren.”
Zudem besteht keine Kontrolle über die Inhalte mehr. “Die Informationsvorherrschaft des Fernsehens – vorbei. Norbert Bolz: “Es wird weniger denn je möglich sein, irgendwelche moralischen Konventionen durchzuhalten, sondern der Drang zu veröffentlichen, was veröffentlicht werden kann, hat einen enormen Nachdruck bekommen.”" (ZAPP)
Die Fernsehbranche reagiert zwar, aber die Juh-Show oder Flitzer TV kommt nicht so recht an. Der Grund: nicht angepasst an das Sehverhalten der Internet-User. Miles Beckett bei ZAPP dazu:
“Man kann nicht einfach etwas nehmen und woanders abspielen. Genau das hat das Fernsehen seit Jahren getan. Sie nahmen eine Sendung, kürzten sie auf drei Minuten und nannten das eine “Internet-Folge”. Aber niemand schaut so was. Denn es ist schlecht gedreht und falsch geschnitten, und sieht grauenhaft aus.”
Fazit: die klassischen Medien verlieren an Macht und Einfluss – und an Werbezeit. Der Journalist muss lernen, mit dem aktiven Leser und Zuschauer zu leben. Ariana Huffington bringt es bei ZAPP auf den Punkt:
“Die Frage ist: Sind die klassischen Medien bereit, die Innovationen und das, was im Moment passiert, mit in ihr Angebot einzubinden? Wenn sie das tun, liegt eine große Zukunft vor ihnen. Wenn nicht, werden sie sterben.”
Ob der Laienjournalismus dabei nicht auch einiges zerstört, bleibt offen. Denn Bürgerjournalisten können mangels Ausbildung und Infrastruktur nie die Qualität liefern, die ein Profijournalist liefert. Daher müsste Ariana Huffingtons Frage so formulieren: “Wer garantiert die Qualität journalistischer Arbeit und v.a. die Bezahlung derselben?”
Denn nur mit Innovations-Phantasien läßt sich diese Frage nicht beantworten. Die Gefahr sinkender Qualität (Race to the bottom) und Vernichtung unzähliger Journalisten-Arbeitsplätze sehe ich als viel gefährlicher an.
Denn Laien können Profis nicht ersetzen.
P.S.: Den 9-minütigen ZAPP-Beitrag gibt es auch als Streaming-Video im Internet zu sehen.
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Basic Thinking Blog » NDR: Web 2.0 und Journalismus added these pithy words on Feb 12 07 at 0:05[...] Media-Blog Trackback-URL Gelesen: 1 heute: [...]
Web 2.0 und der klassische Journalismus: auf NDR | eniak.INFO added these pithy words on Feb 12 07 at 12:12[...] Basic Thinking Blog und Media Blog Ähnliche [...]
minimlwork » Print-Journalismus und das Web 2.0 added these pithy words on Feb 12 07 at 12:51[...] Der ZAPP-Beitrag ist auch als 9-minütiger Video-Stream im Web zu sehen. Und zwar hier. (gelesen bei Basic Thinking und Media-Blog) [...]
Blog Zeitenwende.ch - Das Pinboard für unkonventionelle Wirtschaftsnachrichten » Der Web-2.0-Hype und seine Folgen added these pithy words on Feb 17 07 at 13:32[...] Media-Blog (Journalist – Beruf ohne Zukunft?) Bitte bewerten Sie diesen Beitrag Registrieren … Dieser Eintrag ist [...]
nicozorn.com - ein Marketing-Weblog » Archiv » Ein paar Links added these pithy words on Feb 18 07 at 2:41[...] Media-Blog: Journalist – Beruf ohne Zukunft? “Das NDR-Medienmagazin ZAPP hat unter dem Titel “Neue Konkurrenz – Wie das Web 2.0 den Journalismus verändert” untersucht, welche Zukunft der Beruf des Journalisten hat.” [...]
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