Wie schreibt Jean Railla unter dem Titel “The Punk of Craft” so treffend in “Craft“: “In the age of hyper-materialism, Paris Hilton, and thousand-dollar “It” bags, perhaps making stuff is the ultimate form of rebellion.” Damit beschreibt sie ein Phänomen, dass wir bei Etsy.com und Sozeug.de beobachten können: Graswurzel-Kreativität at its best.

Eine konstruktiv-kritische Antwort auf die Konsumfrage. An die Stelle von Entfremdung und Massenfertigung tritt handwerkliches Können, Seele und Individualität.

Ein Konzept, von dem besonders die Rebellen (ohne Markt?!) sehr viel lernen könnten …

Denn Rebellen mit Markt sind viel erfolgreicher. Sie werden als kreative Bereicherungen und innovative Störungen zugleich wahrgenommen. Wenn ich mir die deutsche Blogszene ansehe, dann sehe ich da die ersten zarten Pflänzchen. Doch gerade die rebellischen Wortführer sind es, die selbst z.B. nie eine Gegenkonferenz zur DLD hinkriegen würden.

Denn es ist ja einfacher sich beim “Establishment” am Gratis-Büffet zu bedienen und dann irgendwas darüber zu bloggen, als selbst die Ärmel hochzukrempeln und was Neues zu machen. Nicht einen BILDBlog oder FOCUSBlog, sondern so was richtig eigenes. Mit eigenen Ideen – halt so was, was man gerne liest.

Na ja, meine Prophezeiungen dahingehend sind ja bekannt. Zum dort angesprochenen Thema “Erfolgsfaktor: Kleine Fluchten aus dem Alltag”:

Gestern war ich übrigens auf PSPNews und selbst da ich kein Spielekonsolen-Fan bin, war ich begeistert. Echt super diese Inhalte, das Design, etc. – alles top. Irgendwann wird so ein kreativer und nutzwertiger, fun vermittelnder Blog den BILDBlog wegputzen – und das wird nicht lange dauern.

Denn Ideen gibt es genug – die DLD 07 war für viele Besucher(-innen) eine hervorragende Inspirationsquelle. Und Geld gibt es auch genug (just call the Samwers, Piroozram oder … Burda Digital Ventures). Es kommt nur darauf an was man daraus macht.

Doch es würde mich ehrlich gesagt wundern, wenn aus der Riege der alten A-Blogger da etwas kommen würde. Nur einer scheint mir da sehr gut positioniert: Robert Basic. Er spricht schon von seinem “neuen Startup” und knüpfte kräftig Kontakte auf der DLD 07. Vielleicht hat er deshalb so wenig gebloggt – obwohl: es gab doch einen RSS-Feed zu der Veranstaltung, oder nicht? :-)

Wie dem auch sei: ich denke im originären Blogging-Bereich ist derzeit in D nichts zu holen. Denn selbst erfolgreiche Blogs haben – relativ gesehen – sehr geringe PIs aufzuweisen. Media-Vermarktung lohnt sich da für den einzelnen kaum – ein bis zwei Ausnahmen bestätigen die Regel.

Blognetzwerke, wie Peter Hogenkamp sie z.B. plant, halte ich auch für abgehakt. Kein Blognetzwerk wird alle Top-Blogs umfassen – da müsste man mit mehr als 100.000 CHF rangehen und A-Blogger gezielt “einkaufen”.

Fazit zu Blogs in Deutschland: Haken dranmachen und vergessen – so wie es bereits viele Verleger gemacht haben. Ein paar Versprengte kannibalisieren noch gerne ihre Inhalte und Zielgruppen, aber die werden auf Dauer auch merken, dass das nichts bringt.

Mit dem Web 2.0 ist es was ganz anderes – das kann durch die Begleitmusik der Blogs noch wichtiger werden. Nur da müssen andere, produktive und schnell profitable Ansätze her. Es wundert mich nicht, dass da alle Verlagshäuser dran stricken – und verzweifelt ihr Geld den Start-ups anbieten.

Denn mit Content wird in der jetzigen Form in Zukunft kein Geld mehr zu verdienen sein.


COMMENTS / 5 COMMENTS

[...] Jean Railla schreibt unter dem Titel “The Punk of Craft” so treffend im Magazin “Craft“: “In the age of hyper-materialism, Paris Hilton, and thousand-dollar “It” bags, perhaps making stuff is the ultimate form of rebellion.” Selbstgemachtes liegt also voll im Trend und bescherte Etsy.com nun erstmals 10.000 Produktverkäufe pro Tag. [...]

Media-Blog » Archives » Selbstgemachtes verkauft sich gut: erstmals 10.000 Produktverkäufe pro Tag für Etsy added these pithy words on Nov 18 07 at 12:12

“Doch gerade die rebellischen Wortführer sind es, die selbst z.B. nie eine Gegenkonferenz zur DLD hinkriegen würden.”

So? Und was ist mit re:publica? Ein Beispiel das mir jetzt so einfaellt. Mal davon abgesehen, hat Herr Burda die Konferenz selbst organisiert? Moechte ich mal bezweifeln, das wird eine professionelle Firma erledigt haben, oder eine Abteilung bei Burda die auf sowas spezialisiert ist.

Zu PSP News: “Echt super diese Inhalte, das Design, etc. – alles top.”

Wie bitte?

Um ehrlich zu sein, ich finde das Design ziemlich beschissen. So sehen ungefaehr 3872 andere Gaming Sites auch aus. Fuer mich ist die Seite vollkommen ueberladen, massenhaft Links, Icons, wildes Geblinke, Miniaturschriftgroessen bei grauem Text auf weissem Grund, usw usf.

Die Inhalte sehen fuer mich mehr oder weniger wie zusammenkopierte Pressemitteilungen aus, unter jedem Eintrag steht Quelle: xyz. Was ist daran kreativ und vermittelt besonders viel Nutzen?

Armin added these pithy words on Jan 23 07 at 23:28

re:publica ist sicherlich interessant, aber ich bezweifle, dass da die “Kaliber” wie bei Hubert Burda sprechen. Sicherlich sind dort aber eine Menge kreative Ideen zu finden …
Hubert Burda hat sicherlich nicht selbst eine Konferenz organisiert, aber er hat das Budget dafür bewilligt und das finde ich gut.
PSPNews mag in der Usability verbesserungsfähig sein – die Links dienen übrigens der Finanzierung – aber letztendlich entscheidet der User. Und der hat die Site innerhalb von 3 Monaten zur Nr. 2 gemacht.
Aber vielleicht haben Sie ja auch wie ich keinen so richtigen Zugang zur Gaming-Szene … da ticken die Uhren ganz anders.

Frank Huber added these pithy words on Jan 24 07 at 10:59

Boese Zungen sagen Burda und die DLD haben sich auch nur an Davos rangehaengt und nutzen es aus dass viele Leute die dort hinfahren halt auch DLD mitnehmen ;-) Was die “Kaliber” angeht, Ansichtssache. Unsere Definitionen von Erfolg und “Kaliber” sind vermutlich unterschiedlich.

PSP-News: Zur #2 wo? Und im Wettbewerb mit wem? So ist die Information “die Site ist #2″ ziemlich witzlos. Vermutlich jede meiner Sites ist auch irgendwo #1, 2 oder 5, was aber praktisch nichts aussagt. Oder sehr viel.

Richtig, ich habe keinen Zugang zur Gaming-Szene, interessiert mich nicht die Bohne. Auch wenn ich mir vorstellen kann wie da die Uhren ticken. Mir gefaellt das Design dieser Gaming Sites absolut nicht, aber ich verstehe dass die Gamer dies so wollen. Koennen sie von mir aus ja auch gerne so haben. Nur mich und viele andere spricht es halt nicht an.
Nur gilt das nicht fuer viele Bereiche? Genauso wie sie anscheinend ja auch keinen richtigen Zugang zur Bloggerszene haben wo die Uhren anders als bei Ihnen ticken.
Es gibt genuegend Leute denen das Bildblog gefaellt und die es interessant finden. Ich selber finde es gut gemacht und gucke auch ab und zu rein, aus naheliegenden Gruenden interessiert mich aber ein grosser Teil der Inhalte weniger da sie mir oft wenig bis nichts sagen (Deutsche Politiker kenne ich mit Muehe und Not noch, Deutsche Politik nur die ganz grossen Sachen und bei Promis sagt mir so ziemlich alles nach 1995 nichts).
Wirres lese ich ab und zu recht gerne, er hat teilweise einen hintergruendigen Humor den ich schoen zu lesen finde. Sie anscheinend nicht, viele andere wahrscheinlich auch nicht. Aber er lebt Blogging und hat seinen individuellen Stil.
Der Rebellmarkt ist manchmal sehr interessant zu lesen, da er eben zum Denken herausfordert. Auch wenn ich ihn oft sehr etwas ueberzogen finde, er gibt mir Denkanstoesse. Und gerade das macht ihn aus, dass er eben nicht stromlinienfoermig fuer die Masse schreibt. Er hat gerade die Seele und Individualitaet die Sie einfordern, nur scheint es halt eine zu sein zu der Sie keinen richtigen Zugang haben.
Und so koennte ich weitermachen…

Armin added these pithy words on Jan 24 07 at 11:58

Danke für diesen langen Kommentar. Mein Fazit: schön, dass wir so verschieden sind.
Und zu dem geliebten Vorurteil Seele und Individualitaet schliessen kommerziellen Erfolg aus: die US-Beispiele zeigen, dass es nicht so sein muss.
Darum ging es mir (auch)…

Frank Huber added these pithy words on Jan 24 07 at 12:05

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DLD 07 – oder wie aus “wirren unbrauchbaren dingsen” produktive Ideen werden könnten

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