Bringt Business Blogging wirklich etwas? Diese Frage dürfte sich Kirstin Walther von “Walthers Saftblog” in den vergangenen Tagen öfters gestellt haben. Nach einer Abmahnung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mit massiver Kostenfolge heisst es nun: entweder der Blog oder das Unternehmen. Die “Kuh” scheint nicht mehr vom Eis zu holen zu sein – der DOSB drückt gnadenlos ab.

Ich hatte ja schon des öfteren vor den Rechtsfallen im Internet gewarnt – doch die Berater und selbsternannten Experten haben wohl im Falle des Saftblog geschlafen. Denn es gehört zum kleinen Beratungs-1×1 seinem Kunden eine kurze Einführung in Urheberrechte zu geben, v.a. wenn er keine eigene Rechtsabteilung besitzt. Das gilt im übrigen auch für das Thema Impressumspflicht, etc. – hier ist eine Prüfung durch einen Fachanwalt insbesondere in hoch regulierten Branchen (z.B. Pharma) ein Must!

Aufgrund der so oft gemachten Fehler in der Praxis kann ich nur sagen: Die Abmahnungswelle steht möglicherweise erst am Anfang – diesmal hat es leider den/die Falsche(n) getroffen.

Doch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht und die Nutzung fremder Inhalte (Stichwort: “user-stolen content”) kann man sich nur leisten, wenn man gross genug ist und Investorenmillionen/-milliarden im Rücken hat.

Das Beispiel YouTube und Google belegt das eindrücklich. Besonders pervers: während Google die “olympischen Ringe” (u.v.m.) im Rahmen seiner Bildersuche zeigt, werden andere dafür abgemahnt. Selbstredend zahlt Google natürlich keinen Cent an die Fotografen oder Rechteinhaber (Stichwort: Trittbrettfahren/free-ride), sondern verdient auch noch Millionen mit der Werbung neben den Suchergebnissen.

Was sagt der Weise aus dem Medialand, Dr. Frank Huber zu Googles EAL (Europäer arbeiten lassen)-Prinzip: hier “entsteht der Eindruck, dass man die Kleinen henkt und die Grossen laufen lässt.”

In diesem Sinne wäre es echt Schade, wenn der Saftblog aufgegeben würde – wobei andererseits die unkalkulierbaren Risiken des Business Blogging in diesem Fall besonders deutlich werden. Diese Risiken kann man jedoch durch entsprechendes Verhalten, eine eigene Strategie zum Schutz geistiger Urheberrechte (Stichwort: Markenrecht) und gute Beratung minimieren.


COMMENTS / 10 COMMENTS

Sie verlinken mich im Kontext von “die Berater haben wohl geschlafen”. Das ist unpassend. Wie Sie wissen ist die Kelterei nicht mein Kunde und war es auch nie.

Martin Röll added these pithy words on Dec 19 06 at 19:10

Zum kleinen Berater-1×1 gehört es zu wissen, dass man als Berater keine Rechtsberatung machen darf, es sei denn man ist Rechtsberater aka Jurist. Zum kleinen Berater-1×1 gehört es auch zu wissen, dass es die Entscheidung der Kunden ist, ob und wie sie die Beratung umsetzen. Gilt übrigends auch für Akquise, Herr Doktor. Aber da glänzen Sie ja auch lieber mit öffentlicher Blosstellung anstatt berechtigter Selbstkritik. Hoffentlich meinten Sie mit den letzten drei Worten nicht sich selbst….

Picasso added these pithy words on Dec 19 06 at 20:37

Aehm, was hat denn das Urheberrecht mit der Saftblog Abmahnung zu tun? Soweit ich weiss hat die Abmahnung so ziemlich gar nichts mit dem Urheberrecht zu tun, da ja keinerlei urheberrechtlich geschuetzten Texte oder anderen Materialien kopiert wurden.

Was das Urheberrecht generell mit dem Markenrecht zu tun hat erschliesst sich mir auch nicht. Die beiden haben in meinen Augen so ziemlich gar nichts miteinander zu tun. Mal davon abgesehen dass hier anscheinend ein doch arg umstrittenes “Olympiagesetz” zur Anwendung kommt.

Wo dann da die Verbindung zu irgendwelchen “EAL-Prinzipien” herkommt erschliesst sich mir noch weniger. Google macht genau das gleiche bei allen Websites, ich kann da keinen Unterschied zwischen Europaeischen und anderen Websites erkennen.

Armin added these pithy words on Dec 20 06 at 1:17

@Herr Röll: Na ja, Sie sehen sich aber gerne als Ideengeber für Walthers Saftblog: “Und ich bin ein klein bisschen mit Schuld dran. Das gefällt mir.” Wenn andere Ideen und Erfolg haben sonnt man sich halt gerne darin …
@Picasso: Inzwischen gilt übrigens das Rechtsberatungsgesetz aus der Nazizeit nicht mehr (nur so zur Info). Daher dürfen erweiterte Personenkreise (endlich) Rechtsberatung leisten. Desweiteren ist eine Einführung in Urheberrecht keine Rechtsberatung und eine Empfehlung eines Fachanwaltes auch keine. Wissen Sie was: man kann Leute auch wissentlich falsch verstehen – berechtigte Selbstkritik sollten Sie lieber an sich selbst üben, als den Mund hier so voll zu nehmen.
@Armin: Ach so, auf dem Saftblog sind nicht die olympischen Ringe genutzt worden – schlafen Sie weiter (oder legen Sie sich wieder hin). Und ein Olympiagesetz gibt es nicht, sondern ein Olympiaschutzgesetz. Vielen Dank für diese Experten-Tipps (bitte nä. Mal woanders abladen – das bringt meinen Lesern nix)!

Dr. Frank Huber added these pithy words on Dec 20 06 at 9:41

Wenn Sie schon so genau sind könnten Sie sich auch ENDLICH einmal selbst korrigieren (Stichwort: Selbstkritik): Es existiert keine, ich wiederhole und betone: KEINE, “Impressumspflicht”, es heißt “Informatonspflichten”. Da oben haben sie es schon wieder durcheinander geschusselt (Stichwort: Kompetenz).

Leben Sie wohl, Herr Dr. Huber.

Schimon added these pithy words on Dec 20 06 at 17:31

Ich muss ihn jetzt (ausnahmsweise) mal in Schutz nehmen: umgangssprachlich gibt es die http://de.wikipedia.org/wiki/Impressumspflicht durchaus und da Herr Dr. Huber m.W. kein Jura studiert hat, sollte man ihm dies nachsehen …

Henryette added these pithy words on Dec 20 06 at 19:26

Bezüglich des Rechtsberatungsgesetzes aus der Nazizeit irren Sie: Dieses ist zum heutigen Zeitpunkt immer noch gültiges Gesetz in Deutschland. Infos z.B. unter http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsberatungsgesetz. Auch andere Gesetze aus dieser Zeit wie z.B. z.B. das Reichskonkordat sind immer noch gültig…

Olaf Kerner added these pithy words on Dec 20 06 at 20:01

Tja, war wohl nix, Herr Huber. Aber Sie haben schon recht. Der Satz “Passen Sie aber aufs Urheberrecht auf” wird eventuell unter die Rubrik Allgemeinbildung fallen. Sozusagen eine Weise aus dem Medialand.

Picasso added these pithy words on Dec 20 06 at 22:29

@Olaf Kerner: Dazu als Info die derzeitige Rechtssprechung – Sie sind offensichtlich nicht auf dem aktuellen Stand:
Der Lübecker Allfinanzdienstleister Dr. Klein hat vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht das Recht erstritten, Kunden, die einen Kredit umschulden wollen, zu beraten. Das Urteil (Geschäftszeichen: 3 U 204/05 406 O 138/04) könnte wegweisenden Charakter für die gesamte Finanzdienstleistungsbranche haben. Denn bisher durften ausschließlich Rechtsanwälte eine rechtliche Beratung von Privatpersonen vornehmen – nicht jedoch Kreditvermittler. Eine qualifizierte Beratung auch in rechtlichen Fragestellungen ist laut Dr. Klein jedoch Voraussetzung für eine erfolgreiche Umschuldung.
@Picasso: Und scheinbar kennen viele nicht alle Rechtsfallen des Internets, die v.a. auf dem Urheberrecht fußen…

Dr. Frank Huber added these pithy words on Dec 21 06 at 12:50

Na dieses Rechtsberatungsgesetz ist ja wieder eine feine Sache, die doch niemand wirklich braucht oder? Ich meine, klar soll gewährleistet sein, dass nur jene einen beraten, die auch wirklich Ahnung von dem haben, was Sie von sich geben, aber wenn man sich bei jemandem nur mal so erkundigen möchte und man dann gleich verklagt wird bzw. der Ratgeber dann halte ich das Ganze schon fast für Terror.

Stepahnie added these pithy words on Oct 22 09 at 3:28

SPEAK / ADD YOUR COMMENT
Comments are moderated.

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Return to Top

Wird “Walthers Saftblog” aufgrund einer Abmahnung aufgegeben?

FRESH / LATEST POSTS

Tagcloud