Medienkonzerne sind wie gestern beschrieben verstärkt in der deutschen Blogosphäre aktiv: AutoBild, Zeit, Stern, Financial Times Deutschland und Wirtschaftswoche üben derzeit schon mal. Während den etablierten A-Bloggern so langsam die Angst kommt, marginalisiert zu werden.
Doch noch können sie sich auf eine treue Lesergemeinde und ihr einzigartiges Know-How stützen. Dazu kommt der Faktor “Reputation” und das allgemein zunehmende Interesse an Blogs, was Verteilungskonflikte dämpft. Zudem verdienen A-Blogger derzeit kaum Geld mit ihren Blogs, so dass auch dort keine Werbegeld-Verteilungskonflikte zu erwarten sind.
Fraglich bleibt natürlich, welches Geschäftsmodell Contentanbieter verfolgen. PageTurner fragt: “Wo bleiben die Fachinformationsanbieter und ihre Zeitschriften (von den ITlern einmal abgesehen)? Wieso werden die Inhalte entweder verschenkt oder online verbarrikadiert? Wieso versucht man sich nicht der Blogs als Vermarktungsinstrument zu bedienen, um mehr Traffic auf die eigenen Seiten zu lenken?”
Das geschickte Verweben von Free und Paid Content, das Integrieren von Shops und anderen Pay-Angeboten wird vorgeschlagen. Ich habe zudem den Begriff “Infoflatrate” in die Diskussion gebracht und für eine Bildung von Blog- und Vermarktungsnetzwerken plädiert. Stattdessen herrscht jedoch Einfallslosigkeit bei den deutschen A-Bloggern und viel wilder Aktionismus in den Führungsetagen der Medienkonzerne.
Dort ist man neben stringenten Geschäftsmodellen zudem hektisch auf der Suche nach Unternehmergeist und Verjüngungskuren aller Art (hier mehr Infos zur alten Tante WAZ und ihrem Lifting). Doch wenn Verleger, jungen Lesern (ins Internet) hinterrennen, herrscht Stolpergefahr. Denn geistig und körperlich kommt da so mancher schon lange nicht mehr mit. Und tendiert zu Frustkäufen auf der Basis alter Geschäftsmodelle in Osteuropa oder sonst wo auf der Welt, wo man noch Zeitung liest.
Doch im Internet hat man ja noch nie richtig Geld verdient als deutscher Verleger. Nicht mal das in den fetten Print-Jahrzehnten verdiente Geld reicht jetzt aus, junge Web 2.0 Shooting Stars zu kaufen. Und Pleiten wie Napster will man sich auch nicht mehr leisten. Dabei wäre die Ausgangssituation so gut: man hat Tausende von Journalisten in “Medienhäusern” zur Verfügung, jede Menge exklusive Inhalte, eine Top-Infrastruktur – jetzt muss man nur noch die PS auf die Strasse bringen.
Und das Ganze in Euro übersetzen. Robert Basic behauptet zwar, es gäbe irgendwo die deutschen, reichen Problogger – doch die ähneln scheinbar eher dem Yeti: viele haben von ihm gehört, keiner hat ihn bisher gesehen. Die (Firmenwert-)Millionäre die ich kenne, sehen anders aus: von den Web.de-Greves, zu den Idealo-Gründern bis hin zum Foto-Andi. Blogger ist keiner dabei.
Ergo: auf voller Linie Fehlanzeige. Keine Geschäftsmodelle, kein Vermarktungsansatz, keine Strategie. So sieht es aus – aber ich lasse mich gerne eines anderen belehren.
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