Blogs finde ich auch deshalb Klasse, weil man mal vom Thema abschweifen kann. Um zudem der Agenda-Setting-Strategie von Spiegel und anderen Genüge zu tun, anbei meine neuesten Insiderinfos zu Chinas Aufstieg.
Ich hatte ja schon einmal über meine Sicht der Dinge gebloggt, denke aber, dass die Protektionismus-Debatte eh nur ein Traffic-/Auflagentreiber ist. Denn wer hat schon was von Handelskriegen. Viel wichtiger, so meine Ansicht, ist ein Austausch mit den Staaten Asiens – allen voran China.
Denn Welthandel ist ein Positivsummenspiel und mit jeder Autobahn mehr in China steigt das Fahrvergnügen – was uns sehr freuen sollte. Dass man von China auch was lernen kann, wissen wir seit die ersten Karawanen über die Seidenstrasse zu uns kamen. Denn die Erfindung von Buchdruck (beweglichen Lettern) und Schießpulver (samt Kanonen) werden den Chinesen zugeordnet.
Heutzutage jammern viele deutsche Unternehmer auch nicht mehr über die Nichtakzeptanz ihrer Ware in China, sondern eher über zuviel Liebe zum Produkt, was zahlreiche Plagiate hervorruft. Doch von China lernen, heisst siegen lernen. Denn auch dem Problem Know-How-Diebstahl kann man beikommen.
Denn mit welcher Schlauheit chinesische Finanzbeamte arbeiten, davon kann man nur lernen. Jeder denkt: ach die Chinesen, da ist alles soooo chaotisch, da zahlt niemand Steuern. Weit gefehlt. Denn in chinesischen Finanzämtern arbeiten ganz clevere Beamte. Sie entwickeln ziemlich simple Prinzipien der Steuererhebung; drei davon möchte ich kurz vorstellen.
Erstens: man besteuert grundsätzlich den Umsatz eines Unternehmens, denn der Gewinn ist eine gestaltbare Grösse. “Kostenmacher” wie teure Büroeinrichtungen und Luxus-Dienstwagen zahlt so der Steuerzahler erst mal aus eigener Tasche. Sehr clever.
Zweitens: Wer im Restaurant ist, verlangt eine Rechnung (Schwarzgeld ist uninteressant). Warum? Weil auf jedem Rechnungsformular eine Rubbellosnummer drauf ist, mit dem man sofort eine für chinesische Verhältnisse riesige Summe Geld (beim Finanzamt) gewinnen kann. Der Spieltrieb des Menschen führt so zur Steuerehrlichkeit.
Drittens: Finanzbeamte werden nach Umsatz, d.h. nach deren Erfolg bezahlt. So besteht ein Anreiz im Sinne des Staates zu agieren und viel wichtiger: aufgrund des fürstlichen Gehaltes sind Finanzbeamte unbestechlich. Und Finanzbeamter zu sein, gilt als Traumjob.
Diese mir von einem deutschen Steuerberater (Danke, Jörg!) vermittelten Prinzipien zeigen, dass man das fernöstliche Reich gerade aufgrund seines Ideenreichtums nicht unterschätzen sollte. Vielleicht sollte man mal die Chinesen fragen, wie sie z.B. das Know-How-Diebstahlproblem lösen würden. Oder so manch anderes Problem. Denn wie gesagt: Abschottung und Isolation bringt niemand etwas.
Vielleicht sehen das auch die Spiegel-Autoren demnächst hoffentlich so und schreiben lieber mal mehr über praktische China-Themen, so wie ich
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COMMENTS / 4 COMMENTS
Uhuuu added these pithy words on Sep 27 06 at 11:58Ich kann dieses von “von China lernen” nicht mehr hören. Unter Experten ist längst unbestritten, dass der dort künstlich erzeugte Boom, Steuereinnahmen hin oder her, eine Luftblase ist, die wir alle noch teuer bezahlen werden. http://www.ftd.de/politik/international/81420.html
Frank Huber added these pithy words on Sep 27 06 at 12:22Sag’ ich doch: irgendwann brauchen die auch unsere Umwelttechnologien. Am besten heute schon, dann sparen wir uns alle viel Geld!
MaxR added these pithy words on Oct 03 06 at 16:43> Denn Welthandel ist ein Positivsummenspiel
Das mögen Sie mir bitte erklären.
Sie dürfen dabei gerne tief ins Detail gehen, ersatzweise entsprechende Literatur angeben. Ich bin Mathematiker und mit Makroökonmie vertraut, habe also keine Angst vor Fachbegriffen.
Frank Huber added these pithy words on Oct 04 06 at 8:39Literatur: Ricardo (Aussenhandelstheorie). Durch weltweite Arbeitsteilung entsteht mittels Freihandel Wohlstand aufgrund von komparativen Kostenvorteilen. Beweis: die Entwicklung Europas und der USA, sowie Japans.
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