Ich hatte ja schon mal kritisch gefragt, ob Media-Vermarktung auf der Basis user-stolen contents klappen kann. Bei funktionierenden Urheberrechten eher nicht. Niemand wird nämlich mühsam erstellte Inhalte an andere verschenken, die damit Geld verdienen. Doch mal wieder belegt die Realität das Gegenteil – Trittbrettfahren auf Urheberrechten ist besonders bei Monopolisten beliebt.
So berichtet die FTD, dass der Suchmaschinenbetreiber Google Zeitungstexte aus seinem Internet-Nachrichtenangebot Google News herausnehmen muss. Grundlage: ein belgischer Gerichtsentscheid.
Der Justiziar des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) Burkhard Schaffeld sagte gegenüber der FTD, dass er den Sachverhalt prüfen und zum Thema beim Arbeitskreis der deutschen Verlagsjustiziare im November machen werde. In Belgien hatten 15 Zeitungen mit einer Urheberrechtsklage durchgesetzt, dass ihre Überschriften und Texteinstiege nicht mehr auf der Google-Seite verwendet werden dürfen. In Frankreich läuft derzeit eine entsprechende Klage der Nachrichtenagentur AFP.
Die Kernfrage in diesem Kontext lautet stets: Was ist rechtlich erlaubtes Zitieren? Google sieht das so, die Tageszeitungsverleger so. Doch Google hat einen Joker – das Argument des Traffics: “Schließlich schaufeln wir Traffic auf die Seiten, indem wir Themen anreißen und zu den Ursprungstexten verlinken” (Zitat Google).
Googles EAL (Europäer arbeiten lassen)-Prinzip trifft aber auf herbe Kritik. Denn die belgischen Zeitungsverleger führen ein ganz anderes Argument ein: “Wir müssen uns nicht den Google-Regeln beugen. Wenn sie unsere Texte wollen, müssen sie uns darum bitten und gegebenenfalls dafür zahlen.”
Google geht aber von seiner Interpretation des Fair use aus und nimmt einfach erst mal, ohne zu fragen. Denn man könne sich ja immer noch melden und gegen die Verbreitung via Google News protestieren, so die Lesart.
Da die deutschen Verleger es aber bis heute nicht geschafft haben, ein eigenes Newsportal aufzusetzen (was vielleicht auch an der durch die vielfach verwendeten dpa Meldungen und deren Redundanz liegt), werden Sie wohl Google lieber um des Traffic machen lassen – und bei cleverer Verhandlungsführung ein paar Royalties erhalten.
Ein weiterer Bereich in dem Google das Zitatenrecht auf seine Weise gebraucht, ist übrigens die Bildersuche. Während jeder Kleinstblog- oder Homepagebetreiber Geld für die Nutzung von Bildrechten zahlen muss, zahlt Google gar nichts.
Genau, gar nichts. Denn die Bildersuche “zitiert” ja nur – d.h. die z.B. durch die VG Bild Kunst vertretenen Künstler schauen in die Röhre und Google kassiert kräftig Werbegelder. Es wird Zeit, dass hier im Sinne der Urheber etwas unternommen wird, so wie die Medienkontrolle der VG Bild Kunst jeden Kleinstblog- oder Homepagebetreiber filzt. Denn sonst entsteht der Eindruck, dass man die Kleinen henkt und die Grossen laufen lässt.
COMMENTS / 3 COMMENTS
Media-Blog » Wird “Walthers Saftblog” aufgrund einer Abmahnung aufgegeben? added these pithy words on Dec 19 06 at 11:40[...] Das Beispiel YouTube und Google belegt das eindrücklich. Besonders pervers: während Google die “olympischen Ringe” (u.v.m.) im Rahmen seiner Bildersuche zeigt, werden andere dafür abgemahnt. Selbstredend zahlt Google natürlich keinen Cent an die Fotografen oder Rechteinhaber (Stichwort: Trittbrettfahren/free-ride), sondern verdient auch noch Millionen mit der Werbung neben den Suchergebnissen. [...]
Media-Blog » Googles Januskopf-Strategie und ihre negativen Folgen für den Business-Bereich added these pithy words on Jan 25 07 at 17:01[...] die heute den Stoff für Googles Index liefern. Diese werden so gut wie gar nicht entgolten. Die Prozesse in Belgien und Frankreich zeigen zwar einen ersten Sinneswandel europäischer Gerichte, aber die deutschen Verleger schwanken [...]
Media-Blog » Blog Archive » Google Bildersuche verletzt Urheberrechte added these pithy words on Oct 14 08 at 11:02[...] Vor allem angesichts der Tatsache, dass Google mit den Suchergebnissen Gewinne erzielt, dürfte dem Verfahren (Berufung ist möglich) eine noch grössere Bedeutung geben. Denn potenziell könnte es nun zu einer weiteren Lizenzierungswelle führen, nachdem Google bereits für Agenturmeldungen im Rahmen von Google News zahlen muss. [...]
SPEAK / ADD YOUR COMMENT
Comments are moderated.


Recent Comments