User-generated Content, also von Autoren selbst erstellte Beiträge, sind die Grundlage des Erfolges vieler Websites wie z.B. Fotocommunity, MySpace, Blogger.com, usw. Das zunächst auftretende Problem ist natürlich die Rechtebeziehung Autor – Hoster. Denn eigentlich müsste ja ein Bloghoster, der Werbung verkauft (also Geld mit seinen Schäfchen/gehosteten Blogs verdient) eine angemessene Vergütung zahlen.

Dieses Problem lösen viele Community-Betreiber und Hoster mittels Creative Commons Lizenz. D.h. ihre User geben die Nutzungsrechte für bestimmte (meist nicht-kommerzielle) Verwendungen frei. Viele Community-Betreiber und Hoster sehen damit das Problem für gelöst an.

Drastischer wird es, wenn Nutzer einer dieser Web 2.0-Plattformen einfach hergehen und durch Urheberrechte geschützte Inhalte hochladen. Dann nehmen sie quasi Nutzungsrechte in Anspruch, ohne zu zahlen. Ihr Schutz: die Anonymität vieler Plattformen. User-stolen content wird jedoch besonders bei Video-Hostern immer mehr zum Problem.

Denn Film- und TV-Produktionen sind nicht nur teuer, sondern derartige Raubkopien stellen auch einen immensen Schaden für die betroffenen Unternehmen durch entgangene Verkäufe von CDs und DVDs dar. Nutznießer des user-stolen contents sind wiederum die Plattformen (wie z.B. YouTube), die dadurch Traffic und Werbeeinahmen erzeugen.

Wie die Presseagentur AP berichtet, wird nun erstmalig ein Rechteinhaber dagegen vorgehen. Universal Music will YouTube und MySpace aufgrund von Urheberrechtsverstößen verklagen. Denn User hatten Musikvideos und Songtexte von Universal Music-Künstlern illegal genutzt und hochgeladen.

Die Ansage des Musiklabels Universal Music an die Web 2.0 Sites ist eindeutig: “We believe these new businesses are copyright infringers and owe us tens of millions of dollars,” Universal Music CEO Doug Morris told investors Wednesday at a conference in Pasadena. YouTube verhandelt daher intensiv mit den Rechteinhabern, um Wege zu finden, legal die angesprochenen Inhalte zu hosten.

Die enormen tektonischen Plattenverschiebungen im Aufmerksamkeits-Business werden klar, wenn man den Murdoch/MySpace-Deal und dessen deutsches Pendant ansieht. Es geht darum, den tendenziell ins Internet abwandernden TV-Seher abzufangen und an seinen Channel zu binden (und sich entsprechend die Media-Vermarktung zu sichern).

Sollten aber die Plattform-Betreiber / Video-Hoster nicht schnell genug wachsen und so mächtig wie YouTube in USA werden, wird die Copyright-Axt sicher bald zuschlagen und das Angebot der entsprechenden Sites ausdünnen. So weit, bis nur noch rechtegeklärtes Material vorhanden ist – gecoverte Songs und MTV-Videos wird es dann nicht mehr (oder nur gegen Bezahlung von Royalties an die Urheber) geben.

Eine Strategie der Copyright-”Opferanwälte” könnte natürlich auch sein, so lange zu warten, bis es sich lohnt zuzuschlagen, d.h. bis Investoren im Boot sitzen, die man zur Kasse bitten kann (Fall Napster). Universal Music hatte ja damals schon gegen Napster-Investor Bertelsmann einiges unternommen, um ihm das Leben schwer zu machen.

Pikantes Detail laut einem Stern-Bericht: Universal Music hat selbst an der Marke “Napster” mitverdient. Universal ist nämlich an der Firma Roxio beteiligt, die den Namen Napster nach dessen Pleite übernommen hatte.

Betrachtet man die Strategie der Rechteinhaber so dürfte eines klar sein: Media-Vermarktung und ein Business Model auf der Basis user-stolen contents hatte schon damals kurze Beine, und so wird es auch bleiben.

Und wie sagte mir ein CEO einer der größten deutschen Online-Vermarkter vorgestern: das reine Werbefinanzierungsmodell ist sowieso unzureichend. Portal-/Blog-/Websitebetreiber müssen sich nach anderen Einnahmequellen wie z.B. Mitgliedsgebühren umsehen. Das sollte man vor allem deswegen tun, um seine Einnahmesituation zu verstetigen und unabhängig zu sein/bleiben.

Bisher machen das nur ganz wenige Blogger, aber es wird kommen – so der Weise aus dem Medialand.


COMMENTS / ONE COMMENT

[...] Ich hatte ja schon mal kritisch gefragt, ob Media-Vermarktung auf der Basis user-stolen contents klappen kann. Bei funktionierenden Urheberrechten eher nicht. Niemand wird nämlich mühsam erstellte Inhalte an andere verschenken, die damit Geld verdienen. Doch mal wieder belegt die Realität das Gegenteil – Trittbrettfahren auf Urheberrechten ist besonders bei Monopolisten beliebt. [...]

Media-Blog » Google’s freeride vielleicht bald am Ende? added these pithy words on Sep 20 06 at 13:34

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Media-Vermarktung auf der Basis user-stolen contents?

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