Heute schreibe ich mal ein Wort zum Sonntag. Nach einer Woche Blogging und 14.000 Seitenabrufen musste ich einiges an Eindrücken sich setzen lassen und einordnen, um ein Bild zu erhalten.

Blogging ist eine ganz besondere Tätigkeit, die von vielen als Freie Kunst verstanden wird. Die absolute Freiheit, sehr subjektiv, ungefiltert, ohne Normen (ausser der Freiheit zu schreiben, was man will) und oft vollkommen zweckfrei. Freie Kunst eben.

Ein Paradies, das man nicht gefährden sollte. Doch das verstehen so manche Eindringlinge nicht: sie reden über Geld, Kommerz, Erfolg und viele andere Reizworte, die Blogger so gerne aus ihrem Wortschatz verbannen würden.

Die Gleichheit und die Brüderlichkeit, das “Du” und die soziale Wärme kommen menschlichen Bedürfnissen beim Blogging sehr zugute. Hier wird nicht wie beim Chef im Büro gesiezt und man muss auch nicht wie in der Schule, das wiedergeben, was der Lehrer in seinem von mittelalterlichen Klosterschulen abgeleiteten Frontalunterrichtskonzept einem vorkaut.

Das habe ich verstanden – und auch dass es “die Blogger” nicht gibt. Es sind alles Individuen, die gleich behandelt werden wollen, und denen A-, B- und C-Klassen egal sind. Ein klassenloses Künstlerdorf eben, in dem materielle Unterschiede verpönt sind und wo in einer Stammesgesellschaft demokratisch entschieden wird (Dorfälteste inklusive).

Doch es erinnert einen fast schon an das Kopistendorf Dafen, wo Akkordmalen für 30 Cent angesagt ist. Blogger arbeiten für weniger (oft nichts), ihr Akkord besteht in der Posting-Frequenz, begleitet von einem Starren auf die Blog-Counter-Statistiken. Mein Ding ist das nicht.

Denn ich habe einen Evan Penny oder James Turrell (beide aktuell im Kunsthaus Zürich ausgestellt), einen Alighiero e Boetti oder einen C.E.B Reas gesehen. Mein Fazit: das sind wirkliche Künstler. Und um mit Kai Krause zu sprechen: “Wir haben bisher nur drei Prozent gesehen“.

Das gilt auch für Blogs.


COMMENTS / 3 COMMENTS

[...] Ebenso übrigens wie Beleg für sein Shooting-Star-Dasein. Da klaffen Wunsch und Wirklichkeit offensichtlich stark auseinander. Denn während der Doktor am 27. August stolz von 14.000 Seitenabrufen binnen einer Woche schreibt, sagt sein Counter etwas anderes. Blogscout registrierte in den letzten 30 Tagen (also seit Start des Blogs) gerade mal 3.647 Seitenabrufe (Stand 15:24 Uhr). [...]

Blog-Bistro · Dr. Hubers Traumland. added these pithy words on Aug 28 06 at 15:51

Super!, Doc. Sie entwickeln Stil, einen sehr amüsanten gar.
Nur die Sache mit den Reizwörtern wiederholt sich all zu oft – da möcht man meinen, daß Sie sich auf das Reizen von Bloggern konzentrieren könnten. Nehmen Sie wechselnde Begriffe und verbergen Ihre, nur all zu durchschimmernden Reize. ;-)

Wann kommt eigentlich das Buch zum Künstlerdorf? :-)

btw. … daß Sie nicht auf einen Counter o.ä. blicken mögen, na ja. :-o

Wilhelm added these pithy words on Aug 27 06 at 12:50

Klar, ein bißchen Spaß muss sein. Nur nicht den Humor verlieren. Und auf den Counter guckt doch jeder – so als Aufmerksamkeitsbarometer ist es auch ganz tauglich. Und ein Buch zum Künstlerdorf würde ich gerne machen – allein es fehlen die Künstler …

Frank Huber added these pithy words on Aug 27 06 at 17:11

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Blogging als Freie Kunst oder simples Akkord-Posten?

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