Lodda rennt!
(Foto: mastersteve, Photocase)

Ach es ist schon lustig, was da momentan passiert (und uns der Top-Informant Jim Beam mitteilt am Telefon): die gute alte Tante WAZ lässt sich liften. Sie plant, sich mal so richtig verjüngen zu lassen. Denn Sie will wieder so sexy sein wie in früheren, auflagenstärkeren Zeiten. Und bekanntlich ist der 7. Frühling auch ein Frühling.

Chefredakteur Bodo Hombach (bekannt als Ex-Kanzler-Berater) hat sich nach unseren Informationen dafür eine attraktive, clevere junge Dame an Bord geholt: Katharina Borchert, alias Lyssa.

Die designierte Online-Chefredakteurin Katharina Borchert, die sich auf reizvoll-erotische Themen versteht (Motto: Der Besamungswart als Rucksackhengst) lotete in einem ersten strategischen Dialog zunächst mal aus, wie sich eine Zusammenarbeit mit der Blog-Szene möglichst fruchtbar gestalten lässt.

Die ersten Ergebnisse ihrer Arbeit feiert sie auf ihrem Blog: Die Printartikel verschiedener Titel der WAZ-Mediengruppe wie WAZ, NRZ, WR und WP sind ab sofort ohne umständliche Registrierung zu lesen. Der Content-Keuschheitsgürtel (sprich: bei öffnen, zahlen) ist enfallen und nun stehen viele, viele WAZ-Artikel einfach so frei und kostenlos im Netz.

Auf das Problem der guten alten Tageszeitungen kamen wir ja bereits zu sprechen: ihr laufen also die jungen Leser weg. Doch die werden auch kein Geld ausgeben, sondern sich freuen, dass sie die Zeitung im Netz sogar umsonst lesen können. Und Mutti und Vati gleich mit – die werden vielleicht gar ihr Abo kündigen. Denn ein Laserdrucker hat inzwischen fast jeder – oder man liest mal schnell online den Artikel durch.

Die jungen Leser interessiert das alles wenig, die sind ja bekanntlich sehr schnell – sie lesen sich eh lieber gleich alles via Google News durch – bei wem auch immer, bzw. dem schnellsten. Die alte Tante WAZ wird es da also (sehr) schwer haben – und mir ihr der ganze “Seniorenclub” der traditionellen Verleger, … Entschuldigung: Medienhäuser.

WAZ live” ist der Arbeitstitel des Projektes. Über das Projekt berichtet – im strategisch clever vorbereiteten Dialog – zuerst die WAMS (wie man PR in eigener Sache macht, das weiss man). Ein paar kritische Fragen sind erlaubt: Doch wie soll plötzlich die ganze User-Interaktion bei WAZ stattfinden, wie will die WAZ Räume für die nicht planbare, (zweck-)freie Blogkommunikation kanalisieren? Und Jim Beam fragte mich unverhohlen: Wie kann jemand, der noch nie in einer Redaktion in verantwortlicher Position gearbeitet hat, so ein komplexes Projekt stemmen?

Und dann schließlich und letztlich die Geld-Frage: wer bezahlt die ganze Party?

Insider wissen es: zuerst geht das auf Kosten der etablierten Lokalredaktionen – denn man hat wohl bei der WAZ aufmerksam dem AAL-Prinzip gelauscht und will jetzt auch mal dran sein, und sich aus der großen Quelle der ehrenamtlich arbeitenden Bürger-Journalisten = Blogger bedienen.

Hätten die lieber mal den Erfinder des AAL-Prinzips (Andere Arbeiten Lassen) Andreas Weigend als Berater gebucht: er kennt die zahlreichen Formen von User Generated Content bzw. das Streben der Unternehmen, diesen Aal-Effekt am liebsten in ihrem eigenen Walled Garden auftreten zu lassen.

Doch der clevere Badener sonnt sich lieber in Kalifornien und arbeitet derweil am Web 3.0 – während sein Walled Garden an Beratungsprojekten vor allem an seinem Zweitwohnsitz in der Boomtown Shanghai mächtig wächst und gedeiht.

P.S.: Vielleicht kann man ja bei WAZ auch was von Holtzbrincks Sonderprojekten – wie z.B. Germanblogs – lernen. Die Diskussion um PIs dort sagt viel aus.


COMMENTS / 15 COMMENTS

[...] Zurück zu den Medienhäusern (als Kunden und oft Gesellschaftern der dpa): Den lokalen Content noch dazu zu verschenken, bringt noch weniger. Ach diese Verleger: erst verlieren sie die rubrifizierten Kleinanzeigen ans Netz (mobile.de, scout24-Gruppe, …), dann die Personalanzeigen (monster.com, jobs.de, etc), dann ihren exklusiven Lokal-Content (WAZ) und am Ende nicht nur den Leser, sondern auch den Abonnenten. Tolle Leistung. [...]

Media-Blog » Vom “fire-and-forget”-Journalismus zum Full-time-Job added these pithy words on Aug 25 06 at 10:44

[...] Verleger sind gerade (mal wieder dabei), diese Media-Trends zu verschlafen. Denn das branchenübliche Entlassen von Journalisten bringt nur Kostenersparnisse, keine neuen Märkte. Drumm klingt der Schrei nach Innovationen vieler Verleger wie ein Hilfeschrei. [...]

Media-Blog » Die Angst der Verlage vor dem Web 2.0 added these pithy words on Sep 27 06 at 12:16

[...] Eine Untersuchung von Jupiter Research in den USA hatte gezeigt, dass Amerikaner mittlerweile 14 Stunden pro Woche online sind. Das ist genauso lange, wie sie fernsehen, so die FTD. Dort wird auch ein zunehmender Anteil der Media Spendings investiert – v.a. junge Leser werden im Web gesucht und gefunden. Dabei sind v.a. US-Medienmarken wie MySpace, YouTube und Flickr sehr erfolgreich. Ihre Web 2.0-Sites binden Millionen von v.a. jungen Usern täglich. Deutsche Verleger schauen machtlos zu. Und deutsche TV-Anstalten ebenso (vielleicht wollen Sie deshalb via GEZ am Boom der US-Video-Hoster teilhaben). [...]

Media-Blog » Newsplex und die Zeitung der Zukunft - Anforderungen an Contentanbieter von morgen added these pithy words on Oct 09 06 at 12:38

[...] Dort ist man neben stringenten Geschäftsmodellen zudem hektisch auf der Suche nach Unternehmergeist und Verjüngungskuren aller Art (hier mehr Infos zur alten Tante WAZ und ihrem Lifting). Doch wenn Verleger, jungen Lesern (ins Internet) hinterrennen, herrscht Stolpergefahr. Denn geistig und körperlich kommt da so mancher schon lange nicht mehr mit. Und tendiert zu Frustkäufen auf der Basis alter Geschäftsmodelle in Osteuropa oder sonst wo auf der Welt, wo man noch Zeitung liest. Doch im Internet hat man ja noch nie richtig Geld verdient als deutscher Verleger. Nicht mal das in den fetten Print-Jahrzehnten verdiente Geld reicht jetzt aus, junge Web 2.0 Shooting Stars zu kaufen. Und Pleiten wie Napster will man sich auch nicht mehr leisten. Dabei wäre die Ausgangssituation so gut: man hat Tausende von Journalisten in “Medienhäusern” zur Verfügung, jede Menge exklusive Inhalte, eine Top-Infrastruktur – jetzt muss man nur noch die PS auf die Strasse bringen. [...]

Media-Blog » Contentanbieter ohne stringente Geschäftsmodelle: Blogs als Vermarktungschance? added these pithy words on Oct 20 06 at 9:18

[...] Zumindestens in den zwei klassischen Disziplinen Print und TV will man endlich ganz vorne dabei sein. Die Disziplin Skateboarding und Freestyle (=Web 2.0)  läßt man lieber gleich ganz, denn das Junge-Leser-hinterherstolpern birgt bekanntlich hohe Verletzungsgefahr. Doch man will auch neben Regionalausgaben gross ins Internetgeschäft einsteigen: “Zudem soll das neue Blatt auch zur wichtigen Adresse im Internet werden und nach dem Vorbild von Bild.de hier auch Erlöse liefern. Derzeit steht Springer kurz vor der Bestellung eines im elektronischen Geschäft erfahrenen Medienmanagers als Chef des Gesamtprojekts.” [...]

Media-Blog » Bonjour, Paris! Hier spricht BILD: wir kommen mit 120 Millionen Euros added these pithy words on Nov 24 06 at 10:43

Das mit dem freien Artikeln ist ein zweischneidiges Schwert. Denn die WAZ & Co hat ja exklusiven Content: Die Lokalnachrichten. Alles andere gibt es auch woanders. Wenn der Lokalteil kostenlos im Netz stehen würde, würde ich das Abo unserer Lokalzeitung sofort kündigen.

Tim added these pithy words on Aug 23 06 at 15:59

Da lag ich also gar nicht so falsch. Für einzelne Städte wie z.B. Bochum findet man jetzt schon freie WAZ-Meldungen: http://www.waz.de/waz/waz.bochum.lokal.php?lokstadt=Bochum
Ob das alles ist kann ich nicht sagen, da ich die WAZ Bochum nicht im Abo habe. Sehr interessant ist übrigens wie die WAZ ständig andere Zeitungen kauft, um sich so zu behaupten – nach dem Motto “Wachsen, oder weichen”. Im Web wird diese Strategie nicht aufgehen …

Frank Huber added these pithy words on Aug 23 06 at 18:08

Also die NRZ Düsseldorf hat einiges Lokales drin: http://www.nrz.de/nrz/nrz.duesseldorf.volltext.php?kennung=on8nrzPOLStaDuesseldorf38949&zulieferer=nrz&kategorie=POL&rubrik=Stadt&region=Duesseldorf&auftritt=NRZ&dbserver=1
Ich hoffe nicht, dass da morgen bereits die ersten Abo-Kündigungen eingehen. Ach diese Verleger: erst verlieren sie die rubrifizierten Kleinanzeigen ans Netz, dann die Personalanzeigen, dann ihren exklusiven Lokal-Content und am Ende den Leser.
Ich glaube meine Info-Flatrate für alle Tageszeitungen im Netz war da doch keine so dumme Idee. HALLLO Verleger – ich kann euch helfen. Aber keiner hört mich.

Frank Huber added these pithy words on Aug 23 06 at 18:16

Vielleicht hört keiner auf Dich, weil Du hier grottenschlecht recherchiert und mit diversen Fehlern durchsetzte Artikel als wahnsinnig spannende Neuigkeit verkaufst. Ist der Rest des Blogs eigentlich auch so fehlerhaft?

WAZwollenwir added these pithy words on Aug 23 06 at 19:36

Please, correct me,if I am wrong – but use your fullname and the name of your blog.
WAZ-Mitarbeiter sind übrigens vom Wissens-Gewinnspiel ausgeschlossen :-)

Frank Huber added these pithy words on Aug 23 06 at 19:46

Da war wohl etwas viel Jim Beam im Spiel, laut Impressum heißt der WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz. Bodo Hombach ist einer der Geschäftsführer der Zeitungsgruppe. Lyssa ist nicht designierte, sondern seit 1.8 reale Chefredakteurin des Online-Portals. So geht das mit den kleinen Fehlern leider weiter im Text. Vielleicht demnächst nicht so auf Jim Beam hören.

WAZsolls added these pithy words on Aug 23 06 at 20:37

Danke für die Hinweise – wenn das alles ist, dann kann ich damit Leben. Ändert m.E. nichts am Fazit … und den vielen Beiträgen anderer Kommentatoren im Netz.

Frank Huber added these pithy words on Aug 23 06 at 20:42

Wer bist du denn?

Daniel added these pithy words on Aug 23 06 at 21:55

Der Weise aus dem Medialand. Der Yeti. Der Media-Blogger. Nein, einfacher: Mein Name ist Mensch und ich bin 36 Jahre alt.

Frank Huber added these pithy words on Aug 23 06 at 22:23

Na dann mache ich doch mal weiter mit der Fehlerkorrektur: Der Arbeitstitel des Projekts lautet schon lange nicht mehr “WAZlive” sondern “WestEins” und Frau Borchert war einst Chefredakteurin eines Printmagazins für Netzthemen.
Also den Titel “der Weise aus dem Medialand” bekommen Sie dafür nicht verliehen. Vielleicht versuchen Sie’s mal als Mitarbeiter im Mediamarkt?

WAZwollenwir added these pithy words on Aug 24 06 at 16:39

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